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RAD im Pott Herbst 2003 Oberhausen

Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs zeigen Wirkung

Als die Stadt Oberhausen im Jahr 1995 das Verkehrsverhalten der Oberhausener Bevölkerung durch die Firma Socialdata untersuchen ließ, wurde klar, dass nur vergleichsweise wenige Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt wurden. Trotz erster fahrradfreundlicher Maßnahmen, die die Stadt oft erst auf Betreiben des ADFC umsetzte, nutzten die Oberhausener nur bei 6 von 100 Wegen ein Fahrrad. Damals konnten viele Städte in NRW auf günstigere Radnutzungsquoten verweisen.

Nach 1995 gelang es dem ADFC, die Zusammenarbeit mit den Verkehrspla­ nern der Stadtverwaltung zu verbessern, indem gemeinsame Ziele entwickelt und auch umgesetzt wurden. Die Zusammenarbeit bezog dabei konkrete verkehrliche Maßnahmen (z.B. Öffnung von Einbahnstraßen, verbesserte Radverkehrsanlagen) ebenso ein wie PR-Maßnahmen zur Verbesserung des öffentlichen Ansehen des Radfahrens (z.B. O.Direkt-Ausgabe zum Radfahren, Radplan Oberhausen).

Im Jahr 2002 untersuchte Socialdata erneut das Verkehrsverhalten in Oberhausen. Jetzt nutzten die Bürger/innen bei 8 % aller Wege ihr Fahrrad, gegenüber 1995 entspricht dies einer Steigerung um ein Drittel.

Durchschnittlich nutzte 2002 jeder Bürger/in 75mal das Rad, 1995 lediglich 55mal. Pro Person wurden 2002 durchschnittlich 205 Kilometer mit dem Rad zurückgelegt, 1995 lediglich 170. Mit Blick auf den Fahrzweck ist festzustellen, daß das Rad fahren zum Arbeitsplatz sehr stark zugenommen hat (+150%), auch das Freizeitradeln hat an Bedeutung gewonnen (+33%), die Häufigkeit von Versorgungsfahrten veränderte sich dagegen kaum (+3). Ältere Menschen ab 60 Jahre fuhren mehr Rad. In der Altersklasse zwischen 20 und 60 Jahre waren es besonders die Männer, die mehr Rad fuhren. Bei den jüngeren Menschen bis 20 Jahre gab es nur eine sehr geringe Zunahme der Radfahrten.

Die Ergebnisse von Socialdata belegen sehr deutlich, dass sich das Verkehrsverhalten der Oberhausener verändert. Radverkehrsförderung hat sich für Oberhausen gelohnt. Zu berücksichtigen ist dabei, dass dazu
Grafik: Verkehrsmittelwahl Binnenverkehr in Oberhausen 1995/2002. 2002: 26% Fuß, 9% Fahrrad, 1% mot. Zweirad, 35% PKW(Fahrer), 13% PKW(Beifahrer), 16% ÖPNV
nur sehr wenige öffentliche Gelder benötigt wurden, teure Neu- oder Umbaumaßnahmen waren nur selten erforderlich. Einschränkungen des motorisierten Individualverkehrs hat die Kommunalpolitik (noch) nicht zugelassen. Noch immer sind 11% aller PKW-Fahrten kürzer als 1 Kilometer, 49% kürzer als 3 Kilometer. In diesem Entfernungsbereich muss die Fahrradnutzung deutlich gesteigert werden. Dazu ist es notwendig, das Rad fahren noch sicherer und komfortabler zu machen.

Zwei Nutzergruppen konnten mit den bisherigen Maßnahmen nicht erfolgreich erreicht werden: Jugendliche und Frauen im mittleren Lebensabschnitt. Hier ist Phantasie gefragt, um auch sie für das Rad fahren zu begeistern. Auch eine Aufgabe für den ADFC.

Norbert Marißen


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Herbst 2003.
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