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RAD im Pott Herbst 2003 Essen

Gespräch mit dem CDU-Ratsherrn Klaus Diekmann

Alltagsradverkehr spielt untergeordnete Rolle

1999 gewann die CDU in Essen die Kommunalwahl. Mit der seither praktizierten Radverkehrspolitik konnten sich EFI und ADFC bislang nicht immer identifizieren, was natürlich auch in der RAD im Pott Niederschlag fand. Maßgeblicher Gestalter dieser Radverkehrspolitik ist der CDU-Ratsherr Klaus Diekmann. Der Elektroingenieur und Technischer Leiter im Essener "Haus der Technik" (HdT) ist 59 Jahre alt, verheiratet und hat 2 Kinder. Er ist sportpolitischer Sprecher
Foto von Klaus Diekmann
seiner Fraktion und Mitglied im Bau- und Planungsausschuss sowie im KVR-Verbandsausschuss.

EFI und ADFC möchten ihm Gelegenheit geben, seine Ansichten zum Radfahren in Essen darzulegen. Rolf Fliß, Sprecher der Essener Fahr­ rad-Initiative (EFI), hat ihn Ende Juni befragt.

Herr Diekmann, wie lang war eigentlich ihre letzte größere Radtour?

Einmal im Monat radel ich mit dem Fahrrad, ein Bauer-Rad mit 3-Gang-Schaltung, meinen Wahlkreis Bedingrade-Schönebeck ab, rund 40 km. Im übrigen heißt für mich Radfahren in erster Linie Freizeit!

Können Sie sich an ihre letzte größere Panne erinnern?

Ich fahre ein etwas älteres, robustes Fahrrad. Vor einigen Jahren ist mir auf der Fahrt nach Werden auf dem Pastoratsberg beim Bergauffahren die linke Pedale abgebrochen.

Wie würden Sie ihr Verhältnis zu EFI und ADFC beschreiben?

So ungefähr mit einer Drei, weil vieles im Leben auch personenabhängig ist. Ich fühlte mich in der Vergangenheit nicht immer fair behandelt. Ich würde gern mehr den Freizeitbereich fördern, z.B. stillgelegte Bahnstrecken, um Familien, insbesondere mit Kindern, aber auch alle anderen Bürgerinnen und Bürger für das Radfahren im Grünen zu gewinnen. Für wichtig halte ich das Radfahren in den Stadtteilen zur Schule, zum Einkaufen usw.. Ich sehe den Bedarf im Freizeitbereich und vor Ort kleinräumiger als EFI und ADFC.

Welche Bedeutung hat für Sie der Alltagsradverkehr?

Hier in der Großstadt spielt meiner Meinung nach der Alltagsradverkehr noch eine untergeordnete Rolle. Anders ist es in den ländlichen Gemeinden und Städten, z.B. Münster. Ich würde in erster Linie Radfahrstrecken in den Außenbereichen bauen. Erst wenn es dort einen geschlossenen Ring gibt und die Stadtteile versorgt sind, würde ich über bedarfsorientierte direkte Verbindungen zur Innenstadt nachdenken unter Berücksichtigung der Belange des Gesamtverkehrs. Ich halte es für nicht sinnvoll, Radwege zur Innenstadt zu bauen, nur um sagen zu können, wir haben wieder ein Stück Radweg gebaut. Die Kreuzung Frohnhauser / Kerckhoffstraße ist für mich ein praktisches Beispiel einer nicht optimalen Lösung. Auch der Radweg vor dem Haus der Technik in der Innenstadt birgt zwischen Radfahrern und Fußgängern erhebliche Gefahren.

Wie steht es mit der Förderung von Bike- and Ride-Anlagen?

An den Außenbahnhöfen wie Borbeck, Dellwig, Werden, Überruhr usw. hal­ te ich Bike- und Ride-Anlagen für nützlich. Ob aber überall Fahrradboxen sein müssen, da habe ich so meine Bedenken. Aber wenn der Wunsch der Nutzer danach besteht, warum nicht?

Was waren Ihrer Meinung nach die größten Erfolge der CDU beim Radverkehr in dieser Legislaturperiode?

Dass wir trotz des angespannten Haushalts weiter Radwege gebaut haben. Allerdings in erster Linie im Freizeitbereich. In der aktuellen Legislaturperiode wurden ca. 4 Mio € für den Radverkehrsbereich investiert. Begrüßenswert ist auch der kürzlich von der Stadt herausgegebene Fahrradstadtplan. Zur Zeit setze ich mich für den Verbindungsweg Herbrüggenstraße bis Heißener Straße im Bereich Essen-Mülheim ein. Dieser Weg könnte ein wichtiger Verbindungsweg sein zum gerade im Bau befindlichen Radwanderweg von der Gruga in Richtung Schönebeck-Mülheim.

Wüssten Sie auch eine Maßnahme im Alltagsbereich?

Ja. So wird bei allen größeren Straßenbaumaßnahmen geprüft, ob nicht bei dem Neubau gleichzeitig genügend Platz für einen Radweg besteht. Die Fulerumer Straße ist ein typisches Beispiel dafür.

Hatten Sie denn schon mal Gelegenheit in den neuen Radstadtplan zu schauen?

Ja, ich halte diesen Radstadtplan für eine wunderbare Ergänzung zu unseren noch immer nicht gut beschilderten Radwegen.

Was sagen Sie dazu, dass die Verwaltung schon die Stadthafenquerung eingezeichnet hat, obwohl noch gar nicht klar ist, ob die Finanzierung zustande kommt?

Grundsätzlich hätte ich eine weniger attraktive Emscherpark-Route durch das Stadthafengelände allein aus Kostengründen favorisiert. Aber den jetzt gefundenen Kompromiss -- abgespeckte Brücke, keine Unterhaltungskosten für die Stadt -- trage ich mit, wenngleich man mit dem hierfür vorgesehenen Geld auch viele andere Radwegstrecken bauen könnte.

Es gibt Stimmen, die wegen Untätigkeit den Rauswurf der Stadt Essen aus der "Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Städte" (AgfS) fordern. Sind Sie auch für den Rauswurf?

Ich antworte mit einem klaren Nein! Es ist aber zu unterscheiden zwischen Verbandsarbeit und tatsächlicher Arbeit vor Ort zugunsten des Radverkehrs.

Sind Sie für eine NRW-landeseinheitliche Radwegweisungsbeschilderung?

Für den Radfahrer ist die Entfernungsangabe auf den Tabellenwegweisern sicherlich wünschenswert, aber nicht unbedingt erforderlich. Wichtiger sind sauber ausgeschilderte Fahrstrecken, wie sie z.B. nach dem Vorbild der Wanderwegsbeschilderung des Sauerländischen Gebirgsvereins aufgezeigt wird. Oftmals erleben wir in Essen, dass die Beschilderung aufhört, so dass der Radfahrer sich nur schwer im weiteren Verlauf zurechtfinden kann. Grundsätzlich bin ich für ein einheitliche Beschilderung.

War die Nichtwiederwahl der Umweltdezernentin Dr. Eva-Maria Krüger nicht ein kapitaler Rückschritt für die Stadt?

Der Vertrag der Dezernentin lief aus. Die SPD hat noch vor der Kommunalwahl 1999 eine Neuordnung in der Stadtspitze vorgenommen, die ein Ausscheiden von Frau Dr. Krüger vorsah. Diese Neuordnung konnten wir aus finanziellen Gründen nicht zurücknehmen. Wenn Sie mit dem Ausscheiden von Frau Dr. Eva-Maria Krüger gleichzeitig ein Vernachlässigen der Arbeit im Radfahrbereich sehen, kann ich nur sagen, dass dies aus meiner Sicht nicht der Fall ist.

War denn die Abschaffung der Fahrradbeauftragten ein Fehler?

Uns wurde aus finanziellen Gründen ein Haushaltsicherungskonzept aus Düsseldorf aufgezwungen. Aus dieser Not heraus mussten wir handeln und drastisch sparen. Mit dem wenigen Geld wird versucht, das Radwegenetz zu verbessern bzw. zu sichern. Die Einsparung der Planstelle bedeutet aber nicht, dass die Aufgabe "Förderung des Radverkehrs" nicht mehr wahrgenommen wird.

Gibt es etwas, was Sie den RAD im Pott-Lesern mit auf den Weg geben möchten?

Ich wünsche mir mehr Toleranz zwischen Autofahrern, Fußgängern und Radfahrern, wobei das für den Baldeneysee sprichwörtlich zu nehmen ist.

Herr Diekmann, wir danken Ihnen für das Gespräch.


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Herbst 2003.
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