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RAD im Pott Herbst 2003 Im Pott

Eine Radtour von Essen nach Duisburg

Mit dem "RevierRad" durchs Ruhrgebiet

Der Kommunalverband Ruhrgebiet (KVR) hat in den letzten Jahren unter dem Label "RevierRad" ein Netz von radtouristischen Servicestationen aufgebaut. Dort kann man auch Fahrräder leihen. Der Clou dabei ist, dass das Rad nicht unbedingt zum Ausgangsort zurückgebracht werden muss, sondern auch am Zielort abgegeben werden kann. Die Redaktion hat daher eine Radtour ausgearbeitet, die sich mit den orangefarbenen RevierRad-Rädern gut nachfahren lässt. Die Tour beginnt in Essen auf der Zeche Zollverein und endet in Duisburg am Landschaftspark Nord.

Zeche Zollverein

Die 2002 von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannte Zechenanlage gehört zu den architektonisch eindrucksvollsten Industriebauten im Ruhrgebiet. 1932 wurde der Zentralförderschacht XII als für viele Jahre modernste Zeche im Ruhrgebiet in Betrieb genommen. Die
Foto der Schachtanlage Zollverein
Schachtanlage Zollverein ist allerdings noch wesentlich älter, bereits 1847 begann man mit dem Abteufen des ersten Schachts. Im Laufe der Jahrzehnte entstanden 11 Schächte, die auf 5 Betriebsanlagen in den Stadtteilen Katernberg und Stoppenberg verteilt waren. Relativ spät, nämlich 1961, nahm die Kokerei Zollverein ihren Betrieb auf. 1993 wurde diese stillgelegt, während die Schachtanlage Zollverein bereits 1986 als letzte Zeche Essens ihren Betrieb einstellte.

Sowohl Zeche wie auch Kokerei Zollverein sind erhalten geblieben und lassen sich zum großen Teil besichtigen. Im Besucherzentrum neben dem großen Förderturm bekommt man vielfältige Informationen. Die RevierRad-Station befindet sich rechts neben dem Hauptzugang zum Zechenglände.

Wir verlassen das Areal von Zollverein quasi durch die Hintertür über den Verbindungsweg zwischen dem Parkplatz und der Straße "Ahrendahls Wiese" (mit Schutzstreifen) und folgen dieser nach rechts (ausgeschilderte Hauptradroute der Stadt Essen) # An dem scharfen Rechtsknick gehts geradeaus in den Radgehweg und auf diesem unter der Bahn drunter her # Auf der anderen Seite geradeaus in die Theobaldstraße # Nach etwa 100 Metern rechts in den Radgehweg der Hauptradroute folgend # Diesem halblinks weiter folgen, dabei zwei Straßen queren # An der Straße "Termeerhöfe" links ab # Im weiteren Verlauf rechts, danach die Zollvereinstraße queren # Im weiteren Verlauf geht es erst unter einer Bahnlinie, dann über eine Bahnlinie her, unmittelbar dahinter links in einen Radgehweg (ab hier keine Hauptradroute mehr) # Am Ende des Weges links in die Heßlerstraße (mit Radwegen) # Kurz darauf an der beampelten Kreuzung rechts in die Heßlerstraße (hinter der Autobahn Radweg) # Kurz vor der Linkskurve rechts über die Bahngleise # Unmittelbar dahinter wieder links, im weiteren Verlauf links hinunter zum Rhein-Herne-Kanal #

Dort links, dem Kanalradweg nun mehrere Kilometer folgen # Unmittelbar vor der zweiten großen Straßenbrücke (Gladbecker Straße / B 224) links hinauf # Oben angekommen rechts über den Kanal hinweg # unmittelbar dahinter links die B 224 unterqueren # hinter der Unterführung links zurück zum Kanalradweg (mit dem wir Bottroper Gebiet erreichen) # Kurz vor der violetten Straßenbrücke rechts hinauf, oben rechts weiter über die Hafenstraße # Am deren Ende links in die Straße "Sturmshof" # Unmittelbar hinter der Eisenbahnbrücke rechts in den Radgehweg (liegt sehr versteckt!) # Neben der Bahn über die Emscher, direkt dahinter links abwärts # Im Wäldchen nach etwa 150 Metern links ab (ab hier kann man den weiß-blauen Schildern des "Emscher Weges" folgen) #

Hinter dem Wäldchen parallel zur Emscher, dann scharf rechts in die Knappenstraße # Nach 150 Metern zweimal links (dabei unter der Bahn drunter her) in die Straße "Lichtenhorst" # Direkt hinter der Brücke über die Emscher rechts in den auf dem Emscherdeich liegenden Radwanderweg # Auf diesem etwa 1,5 Kilometer parallel zur Emscher und unter der Autobahn her # Links weiter parallel zur kanalisierten Berne # Am Ende des Weges rechts in die Hafenstraße, unmittelbar hinter der Überquerung der Berne wieder links # Weiter über die Bahngleise, danach stoßen wir wieder auf den Rhein-Herne-Kanal, weiter gehts über den parallel führenden Radweg # Nach mehreren Brückenunterquerungen endet der Radweg an der Einbleckstraße, dieser weiter folgen # Unmittelbar bevor die Einbleckstraße nach links über den Kanal abknickt, geradeaus hinunter zum Kanalradwanderweg (jetzt befinden wir uns in Oberhausen) # Nach knapp 1 Kilometer erreichen wir die in einem geschwungenen Bogen über den Kanal führende Ripshorster Brücke, die nur Radfahrern und Fußgängern vorbehalten ist.

Über diese Brücke gelangt man zum Haus Ripshorst mit seinem ökologischen Gehölzgarten. Hier befinden sich auch ein Informations­ zentrum zum Emscher Landschaftspark sowie wieder eine RevierRad-Verleihstation. Wem also die beschriebene Radtour zu weit ist oder wer nicht so viel Zeit hat, kann auch von hier starten -- egal in welche Richtung.

Zur Weiterfahrt bleiben wir auf der Nordseite des Rhein-Herne-Kanals. Ab hier erfolgt auch die Ausschilderung als "Emscherpark-Radweg # Nach etwa 1,5 Kilometern erreichen wir den bereits lange vorher sichtbaren Gasometer. Um dorthin zu gelangen, müssen wir die Kanalseite wechseln (der Ausschilderung "CentrO Arena" bzw. "Gasometer" folgen) #

Der Gasometer.

Der Gas-Zwischenspeicher wurde 1929 auf dem Gelände der ehemaligen Gutehoffnungshütte fertiggestellt. Mit 68 Metern Durchmesser und einer Höhe von fast 118 Metern war er lange Zeit der größte Gasometer Europas. 1988 stillgelegt, hat man ihn 1994 zur vielleicht außer­
Foto des Gasometers, gesehen über den Kanal
gewöhnlichsten Ausstellungshalle umgestaltet. Viele z.T. spektakuläre Ausstellungen haben seither hier stattgefunden. Außerdem genießt man von seinem Dach einen fantastischen Rundblick über das gesamte westliche Ruhrgebiet.

Für die Fortsetzung der Tour müssen wir über den gleichen Weg zurück zum auf der nördlichen Kanalseite liegenden Radwanderweg, dort geht es dann in gleicher Richtung weiter wie zuvor, dabei weiterhin auf die Beschilderung des Emscherpark-Radweges achten # Nach der Umfahrung einer Gaststätte und der breiten Unterführung der Konrad-Adenauer-Allee geht es weiter durch eine breite Platanenallee # Nach der Umfahrung des Niederrhein-Stadions stoßen wir auf die Lindnerstraße (mit Radwegen), dieser nach links folgen # Nach etwa 150 Metern biegen wir genau zwischen zwei Eisenbahnbrücken rechts in den Radgehweg parallel zur "Kleinen Emscher" # Dieser Weg ist mehrfach versetzt etwa 2 Kilometer lang, dabei werden vier Straßen gequert sowie unter eine Autobahn unterquert # Am Ende biegen wir halblinks in einen weiteren Radgehweg, den "Grünen Pfad"

Die "Kleine Emscher" ist das alte Flussbett der Emscher vor der zwischen 1938 und 1949 erfolgten Verlegung. Zweimal in ihrer Geschichte musste die Emscher nordwärts verlegt werden. Grund waren die durch den Bergbau hervorgerufenen Bergsenkungen, welche einen natürlichen Abfluss der Emscher im alten Flussbett verhinderten.

Der "Grüne Pfad" befindet sich auf einer 1875 erbauten und abschnittweise bis 1991 stillgelegten, etwa 10 Kilometer langen Eisenbahntrasse. Sie führte quer durch den Duisburger Norden vom Ruhr­ orter Hafen bis nach Oberhausen und verband u.a. die vielen an der Strecke befindlichen Industriebetriebe. Der sich heute auf der Trasse befindliche Rad-Gehweg verbindet Duisburg-Meiderich mit dem Gra­ fenbusch in Oberhausen und ist zum großen Teil auch Bestandteil des Emscherpark-Radweges.

Der "Grüne Pfad" führt bis auf einige wenige Schlenker fast 4 Kilometer geradeaus, quert dabei etliche Straßen und führt unter zwei weiteren Autobahnen her # Obgleich unser Ziel, das frühere Stahlwerk, frühzeitig sichtbar ist, fahren wir durch bis zur Emscherstraße # Dort gegenüber liegt der Haupteingang zum Landschaftspark Duisburg Nord, das Ziel unserer Radtour #

Landschaftspark Duisburg-Nord

Kernpunkt dieses 200 Hektar großen Geländes ist die Meidericher Eisen­ hütte. Das zum Thyssen-Konzern gehörende Werk wurde 1902 erbaute und 1985 stillgelegt. Es ist noch fast vollständig erhalten und kann zum Teil auch besichtigt werden. Einer der Hochöfen kann sogar bestiegen
Foto der Meidericher Eisenhütte
werden, man genießt von dort oben einen hervorragenden Rundblick. Besonders beeindruckend ist auch die nächtliche farbige Illumination des Hüttenwerkes.

Weitere Attraktionen sind der Kletterpark in den ehemaligen Erzbunkern sowie der zum Tauchparadies umgestaltete frühere Gasometer. Im übrigen hat sich auf dem riesigen Gelände des Landschaftsparks die Natur viele Bereiche zurückerobert. Im ehemaligen Hauptschalthaus gibt es ein Informationszentrum sowie die RevierRad-Station.

Die beschriebene Radtour ist etwa 25 Kilometer lang und führt zum gro­ ßen Teil über Strecken abseits der Autostraßen. Vor allem die Abschnitte parallel zum Rhein-Herne-Kanal und entlang der Emscher sowie auf dem Grünen Pfad sind nicht asphaltiert. Die Wegeoberfläche ist aber dennoch überwiegend glatt. Die Strecke weist so gut wie keine Steigungen auf, eine Bombenkondition sowie ein Superrad mit 21 und mehr Gängen sind daher nicht erforderlich. Man kann die Tour auch, wie erwähnt, in zwei Abschnitte aufteilen (Zollverein - Ripshorst 16 km, Ripshorst - Duisburg 9 km).

Sowohl Ausgangs- wie Zielpunkt der Tour sind gut mit dem Öffentlichen Nahverkehr erreichbar. Zollverein erreicht man sowohl vom Essener Hauptbahnhof als auch vom Bahnhof Katernberg-Süd jeweils mit der Straßenbahnlinie 107, aussteigen muss man an der fast vor dem Haupteingang liegenden gleichnamigen Haltestelle. Zum Hüttenwerk in Meiderich gelangt man entweder vom Duisburger Hauptbahnhof oder vom Bahnhof Meiderich-Süd mit den Straßenbahnlinien 902 und 903, die Haltestelle heißt ebenfalls "Landschaftspark Nord". Von dort gilt es noch ein paar Meter zu laufen.

Als Karten für die Radtour empfehlen sich die Fahrradstadtpläne von Essen, Duisburg und Oberhausen. Zwar ist letztgenannter Plan derzeit vergriffen, eine aktualisierte Neuauflage ist aber derzeit in Arbeit. Alle Pläne erhält man natürlich in den ADFC-Geschäftsstellen.

Abschließend noch ein Hinweis zu den RevierRad-Leihrädern: Ein normales Cityrad kostet am Tag 7€ , ein Kinderrad 5€ . Die "One-Way"-Tour kostet 3€ Aufpreis. Es gibt auch Langzeittarife sowie Gruppenermäßigungen. Reservierungen erfolgen grundsätzlich über die RevierRad-Zentrale am Hauptbahnhof Mülheim, Tel. (0208) 444 36 04, Fax 444 36 01, E-mail: zentrale@revierrad.de.

Bleibt eigentlich nur noch viel Spaß bei der Tour zu wünschen und wie unter Radlern üblich Rad- und Speichenbruch!

J.B.


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Herbst 2003.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de