<< Neuer Messeparkplatz gefährdet Radverkehr zurück zur Jahresübersicht Schönebeck -- unsicheres Pflaster für Radfahrer >>


RAD im Pott Frühjahr 2003 Essen

Sechsspuriger Ausbau der Alfredstraße trotz fehlenden Bedarfs

Stadt will Fördergelder um jeden Preis

Im Stadtteil Rüttenscheid soll die Alfredstraße (B 224) zwischen Martin- und Norbertstraße in Höhe der Grugahalle sechsspurig ausgebaut werden. Anlass ist der Abriss der in Höhe der Kreuzung Martinstraße über die B 224 führenden Stahlbrücke. Immerhin drei Jahrzehnte lang hatte dieses angebliche Provisorium den Querverkehr über die vielbefahrene Bundesstraße geleitet. Nach dem Abriss, so glaubte man nun, würde ein riesiges Verkehrschaos auf den genannten Abschnitt zukommen. Vor allem an Messetagen sei ein riesigen Verkehrschaos zu erwarten.

Dem will man nun mit dem sechsspurigen Ausbau sowie einem gigantischen Kreisverkehr im besagten Kreuzungsbereich begegnen. Dass man die Verkehrsprobleme lediglich nur um einige hundert Meter verlagert, wird geflissentlich ignoriert. Die jetzt noch vorhandene Fußgängerbrücke über die Alfredstraße wird keinen Ersatz bekommen ("zu teuer"), und auch der Radverkehr wird -- wen wundert´s -- nur unzureichend Berücksichtigung finden. Dennoch wird die Baumaßnahme 12 Mio € kosten -- für einen Streckenabschnitt von nur 600 Metern!

Das prognostizierte Verkehrschaos ist ausgeblieben. Selbst bei der Motorshow hat es keine größeren Probleme als vor dem Abriss besagter Brücke gegeben. Dabei rücken gerade zu dieser Messe die allermeisten Besucher mit dem Auto an. Vor allem der neue Messeparkplatz in Haarzopf hat den Bereich jedoch spürbar entlastet. Diese Erkenntnis dämmerte dann sogar den sonst so uneingeschränkt autofixierten CDU-Politikern in der vor Ort zuständigen Bezirksvertretung II. Tatsächlich wurde dort der Ausbaubeschluss in Frage gestellt -- und das sogar einstimmig. Dazu forderte man die Verwaltung auf, zu den neu gewonnenen Erkenntnissen Stellung zu beziehen. Die Antwort war allerdings vorhersehbar, hatte doch die Verwaltung einst den Ausbaubeschluss maßgeblich mit initiiert.

Allerdings ergab sich noch ein weiteres Problem. Die Landesregierung hatte inzwischen die Fördergelder für das Projekt in Höhe von etwa 10 Mio € bereits genehmigt, der entsprechende Bewilligungsbescheid lag in Düsseldorf unterschriftsreif auf dem Tisch. Hätte man den Ausbau der Alfredstraße nun gestoppt, wären die Fördergelder zurück in den großen Topf geflossen. Statt dessen wären die nächsten auf der Liste stehenden Projekte anderer Städte gefördert worden. Alle übrigen Straßenbauprojekte in Essen stehen dagegen weit hinten auf der Liste, so dass man in den nächsten Jahren leer ausgegangen wäre -- auch deshalb, weil ab kommenden Jahr besagter Fördertopf seitens des Landes gewaltig zusammengestrichen wird!

Das durfte natürlich nicht sein -- auch wenn das Projekt noch so unsinnig war! Während die Verwaltung, aber auch die SPD-Ratsfraktion keinen Millimeter vom Ausbaubeschluss abwichen, war sich die CDU-Ratsfraktion zunächst noch uneins. Schließlich siegte dann aber auch bei den Christdemokraten der Egoismus über die Logik. Mitte Februar votierte man ebenfalls für den Ausbau -- und damit ebenso wie die SPD gegen die eigenen Kollegen in der Bezirksvertretung II.

Allerdings möchte die CDU frühestens Ende 2004 mit dem Ausbau beginnen. Der Grund hierfür ist simpel: Im Oktober 2004 finden die nächsten Kommunalwahlen statt. Der Ausbau der Alfredstraße ist wiederum auf mindestens drei Jahre veranschlagt. Während dieser Zeit wird dann rund um Rüttenscheid wohl tatsächlich das große Chaos herrschen. Nun wohnt aber der überwiegende Teil der CDU-Wählerschaft im Essener Süden und wird daher bei Fahrten Richtung Innenstadt zwangsläufig in diesem Bereich im Stau stehen -- und das drei Jahre lang, jeden Tag! Da möchte man sich seine geneigte Wählerschaft doch lieber erst nach der Wahl vergrätzen.

J.B.


<< Neuer Messeparkplatz gefährdet Radverkehr zurück zur Jahresübersicht Schönebeck -- unsicheres Pflaster für Radfahrer >>


Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Frühjahr 2003.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de