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RAD im Pott Winter 2002 Duisburg

Die Förderung des Radverkehrs muss nicht viel Geld kosten

Von Velorouten und "offenen" Einbahnstraßen

Die Förderung des Radverkehrs hat viele Fassetten. Angesichts knapper Mittel ist sie häufig mit zu vielen Kompromissen versehen. Eine erfolgreiche und preiswerte Art der Radverkehrsführung stellen die Velorouten dar. An den Hauptverkehrsstraßen benötigt der Radverkehr meist aufwändige Radwege. Das dort praktizierte Trennen der Verkehrsmittel findet seine Grenzen, wo sie wieder aufeinander treffen. An den Kreuzungen, Einmündungen und Einfahrten kracht es viel zu häufig! Dagegen bringen die Velorouten den Radfahrer auf ruhigen und dadurch sicheren Seitenstraßen durch die Stadt.

Die Nebenstraße mit ihrer geringeren Verkehrsbelastung ist oft die bessere Wahl für den Radfahrer. Dabei gleicht die niedrigere Anzahl der Ampeln den Zeitverlust kleinerer und mittlerer Umwege wieder aus. Wer sich mit Hilfe des Fahrradstadtplanes in Duisburg bewegt, kann es selbst ausprobieren.

Das in anderen Gemeinden erfolgreiche System der Velorouten muss in Duisburg erst wieder mit Pilotrouten "getestet" werden. Das ist unverständlich, da die positiven Meldungen der anderen Städte vorliegen und führt nur zu unnötigen Verzögerungen auf dem Weg zu einer schnellen
Foto einer breiten Einbahnstraße
Warum sollte man hier nicht Rad fahren?
und sicheren Verbindung für den Radverkehr. Die im Landeshaushalt verhängte Haushaltssperre verzögert die Umsetzung der Velorouten zusätzlich. Wann das ganze Netz endlich umgesetzt sein wird, steht damit wieder mal in den Sternen.

Ein Hindernis, das sich auf den Nebenstraßen nicht nur im Verlauf von potenziellen Velorouten findet, sind Einbahnstraßen. Die geringe Breite mancher Straße hat die Verkehrsplaner seit den 50er Jahren bewogen, die eine oder andere Straße als Einbahnstraße zu deklarieren. Die Begegnung von zwei Kraftfahrzeugen ist in diesen Straßen unmöglich -- eine Regelung, die den Radverkehr nicht bedachte! In der Zwischenzeit ist die Öffnung von Einbahnstraßen für Radfahrer allerdings "Stand der Technik", als besonders verkehrssicher anerkannt und in der StVO verankert.

Wer in Rheinhausen wohnt, kann sich rund um den Hochemmericher Markt über ein verwirrendes Netz von unsystematischen Einbahnstraßen wundern. Einige Einbahnstraßen sind nur wenige Meter lang. Diese mögen durchaus für die Lenkung des Autoverkehrs sinnvoll sein, für den Radverkehr sind sie aber ein störendes Hindernis.

Foto der Güntherstraße
Die Güntherstraße in Rheinhausen: Lenkung des Kfz-Verkehrs, aber Behinderung des Radverkehres

Wenn ein Ziel auf einer Einbahnstraße liegt, fällt die Entscheidung manchem Radler nicht leicht: Schieben, illegal befahren oder Umweg.

Viele Städte und Gemeinden haben die Möglichkeit der "neuen" (5 Jahre alten) StVO genutzt und erlauben dem Radfahrer die Nutzung der Einbahnstraßen in Gegenrichtung. Sie haben sich damit entschieden, dem Radverkehr unnötige Hindernisse und Umwege zu ersparen. Dies ist sicherlich die preiswerteste Art der Radverkehrsförderung.

Auch in Duisburg wurden und werden einzelne Einbahnstraßen freigegeben. Viel zu zaghaft, wie der ADFC meint. Schon mit Einführung der Regelung hatte er gefordert, alle geeigneten Einbahnstraßen für den Radverkehr freizugeben. "Die Autofahrer rechnen hier doch gar nicht mit dem Radfahrer" lautet das häufigste Gegenargument. Medienwirksam vermarktet, hätte die Öffnung der meisten Duisburger Einbahnstraßen für den Radverkehr mit einem "Paukenschlag" dieses Argument entkräftet Wie überhaupt die Medienarbeit sich in vielen Gemeinden als die wirksamste Förderung des Radverkehrs erwiesen hat. Kann man den Radverkehr noch preiswerter fördern?

Nach zähem Ringen ist es jetzt gelungen, die Anette-von-Droste-Hülshoff-Straße in Hamborn freizugeben. Von der Bezirksvertretung Hamborn beschlossen gelang dies erst nach hartnäckigem Nachhaken der Bezirkspolitik. Das Ergebnis kann sich dafür sehen lassen. Fahrbahnmarkierungen und Hinweisschilder "Radfahrer frei" können einfach nicht mehr übersehen werden. Der ADFC wünscht sich mehr freigegebene Einbahnstraßen in dieser Qualität.

Die Arbeitsgruppe Verkehr des ADFC befasst sich z.Z. schwerpunktmäßig mit dem Thema Veloroutennetz in Duisburg und der Öffnung der Einbahnstraßen in Gegenrichtung für den Radverkehr. Interessierte sind herzlich eingeladen.

Die AG Verkehr trifft sich immer am 2. Montag im Monat. Nähere Informationen beim Verkehrsreferenten Harald Höbusch, Tel. 0203-790341.

HH


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Winter 2002.
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