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RAD im Pott Winter 2002 Essen

CDU will unsicheren Zweirichtungsradweg - die teure Lösung

Aktienstraße bekommt keine Radfahrstreifen

Im Oktober hat die CDU sowohl in der Bezirksvertretung IV als auch im städtischen Bauausschuss beschlossen, auf der vierspurigen Aktienstraße statt der von der Verwaltung favorisierten Radfahrstreifen einen Zweirichtungsradweg auf der stadtauswärts führenden Seite anzulegen. Das Argument der CDU: Radfahrstreifen seien angesichts der räumlichen Nähe zum Autoverkehr gefährlicher als konventionelle Radwege, insbesonders gelte dies für Kinder. Dabei beruft sie sich auf das städtische Kinderbüro, welches die gleiche Auffassung vertritt.

Beharrlich ignorieren CDU und Kinderbüro die in den vergangenen Jahrzehnten beim Radverkehr gewonnenen Erkenntnisse, die eindeutig belegen, dass in Städten Radfahrstreifen auf Fahrbahnen erheblich sicherer sind als herkömmliche Bordsteinradwege. Die Gründe sind einleuchtend: konventionelle Radwege liegen oftmals versteckt hinter
Foto des Radweges an der Aktienstraße
Aktienstraße: auf diesem Radweg soll zukünftig in beiden Richtungen geradelt werden
parkenden Autos sowie bewachsenen Grünstreifen. Vor allem Kindern -- also die Gruppe, die CDU und Kinderbüro zu schützen vorgeben -- wird auf deratigen Radwegen eine Sicherheit suggeriert, die trügerisch ist. Gerade sie verschwinden aufgrund ihrer kleinen Größe völlig aus dem Blickfeld der Autofahrer. Völlig unvermittelt für diese tauchen die kleinen Radler dann an Kreuzungen, Einmündungen und Grundstückszufahrten auf -- Unfälle sind vorprogrammiert.

Auf Radfahrstreifen dagegen sind radelnde Kinder wie auch alle anderen Radfahrer immer im Blickfeld der Autofahrer. Sehen und gesehen werden heißt die gerade im innerstädtischen Straßenverkehr lebenswichtige Devise! Dass ausgerechnet das Kinderbüro diese Tatsache ignoriert, zeigt die speziell in Verkehrsfragen geringe Kompetenz dieser Institution.

Die CDU will den Radverkehr zukünftig nur auf dem bereits vorhandenen stadtauswärts führenden Radweg zulassen -- und zwar für beide Fahrtrichtungen! Dabei gibt es von Mülheim wie auch von der Frintroper Straße her kommend bereits auf beiden Seiten der Aktienstraße einen Radweg. Da der stadteinwärts führende Radweg bereits kurz hinter der Stadtgrenze endet und erst in Höhe der Herbrüggenstraße weitergeführt wird, hieße das für die Radfahrer zweimal die Straßenseite wechseln zu müssen -- neben dem zusätzlichen Zeitaufwand eine weitere, völlig unnötige Gefahrenquelle.

Ohnehin gelten Zweirichtungsradwege innerhalb von Städten bereits als gefährlich, da abbiegende Autofahrer nicht mit Radfahrern aus der Gegenrichtung rechnen. Genau deshalb lässt der Gesetzgeber in der 1997 geänderten Straßenverkehrsordnung Radwege dieser Art nur noch dann zu, wenn es wirklich keine Alternative gibt. Gerade die hätte es jedoch bei der Aktienstraße mit den Radfahrstreifen gegeben! Angesichts der überbreiten Fahrbahnhälften wäre auch genügend Platz vorhanden gewesen, ohne dass der doppelspurig geführte Autoverkehr Einschränkungen erfahren hätte.

Grotesk wird die Angelegenheit, wenn man sich vor Augen hält, dass der nunmehr von der CDU beschlossene Zweirichtungsradweg nicht nur die für Radfahrer gefährlichere Lösung darstellt, sondern auch noch erheblich teurer ist! Die ursprünglich geplanten Radfahrstreifen in Verbindung mit einigen Anpassungsarbeiten am Fahrbahnrand hätten etwa 45.000€ gekostet, der jetzt von der CDU durchgesetzte Zweirichtungsradweg soll dagegen 200.000€ kosten!

Teurer wird es vor allem hinsichtlich der notwendigen baulichen Änderungen, welche die Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung erforderlich machen. So ist der jetzt vorhandene Radweg für einen Zweirichtungsbetrieb zu schmal, im übrigen befindet er sich zum großen Teil in einem miserablen Zustand. Außerdem muss nun ein neuer Förderantrag beim Land gestellt werden -- mit nur geringer Aussicht auf Erfolg, da derart antiquierte Radverkehrsanlagen zu Recht nicht mehr für förderungswürdig gehalten werden. Also wird wahrscheinlich garnichts mehr passieren. Die Radfahrstreifen hätte man dagegen in einem Zuge mit den momentan ohnehin anstehenden Erneuerungsmaßnahmen an der Fahrbahndecke der Aktienstraße realisieren können.

EFI und ADFC halten es angesichts des riesigen Defizits in der Stadtkasse für geradezu grotesk, dass eine Radverkehrsanlage mehr als das Vierfache kosten muss -- nur weil die CDU partout keine Radfahrstreifen auf der Fahrbahn sehen will. In höchstem Maße verantwortungslos ist aber vor allem aber die Tatsache, dass dabei eine für Radfahrer erheblich gefährlichere Lösung den Vorzug bekommt.

J.B.


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Winter 2002.
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