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RAD im Pott Herbst 2002 Essen

Fahrradabstellanlagen in der City soll(t)en abgebaut werden

Motorradparkplätze statt Fahrradständer

In einem Offenen Brief haben sich EFI und ADFC Anfang Juli massiv gegen den geplanten Abbau von Fahrradabstellanlagen in der Essener Innenstadt ausgesprochen. Auf Veranlassung der CDU-Ratsfraktion hatte die Verwaltung eine Vorlage ausgearbeitet, welche den Abbau sämtlicher VRR-Bügel am Hirschlandplatz, am Kopstadtplatz, am Limbecker Platz sowie an der Hollestraße zwischen Handelshof und Haus der Technik vorsah.
Foto der Fahrradabstellanlage am Hirschlandplatz mit einigen Fahrrädern
Die Fahrradabstellanlage Hirschlandplatz ist zwar etwas überdimensioniert, aber absolut notwendig, wie man sieht.
Statt dessen soll(t)en dort zusätzliche Motorradparkplätze ausgewiesen werden. Bereits im vergangenen Jahr war die CDU mit derartigen Überlegungen an die Öffentlichkeit getreten (siehe RiP 3/2001).

Nun aber scheint man Radler und Motorradfahrer gegeneinander ausspielen zu wollen, nur um ja keinen Autoparkplatz opfern zu müssen. Natürlich halten es EFI und ADFC in gewissem Rahmen für legitim, für die immer zahlreicher werdenden Motorräder zusätzliche Abstellmöglichkeiten zu schaffen, besitzen doch die motorisierten Zweiräder wie Fahrräder die positive Eigenschaft, erheblich weniger Platz zu beanspruchen als ein Auto. Dass dieses allerdings ausschließlich auf Kosten der Abstellanlagen für Radfahrer geschehen soll, ist ein Unding.

Unsäglich ist aber auch der Stil, mit dem Verwaltung und Politik diese Maßnahme durchziehen wollen. So war in der Verwaltungsvorlage wortwörtlich nachzulesen, dass man die Fahrradverbände erst dann informieren wolle, wenn die Entscheidung getroffen worden sei. Seit nunmehr sieben Jahren ist Essen Mitglied in der "Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Städte". Deren Statuten besagen, dass vor Ort ansässige Fahrradverbände bei Entscheidungen mit einzubeziehen seien. Das hat in der Vergangenheit eigentlich auch immer ganz gut funktioniert. Nun scheint man im Rathaus aber Probleme mit diesem Verfahren zu haben. Nicht anders ist besagte Aussage zu werten.

Hinzu kommt, dass die in den vergangenen Jahren in der Essener Innenstadt installierten Fahrradständer maßgeblich mit Fördermitteln des Landes finanziert worden sind. Da stellt sich die Frage, ob der für den Abbau der VRR-Bügel in der Verwaltungsvorlage genannte Betrag von "lediglich" 3600 € die höchstwahrscheinlich anstehende Rückzahlung der Fördergelder beinhaltet. Überhaupt nicht kalkulierbar ist vor allem jedoch der Imageschaden der sich "fahrradfreundlich" nennenden Stadt. Denn mit dieser Maßnahme wird sich die bezüglich ihrer Radverkehrspolitik ohnehin bereits verrufene Stadt auch noch die allerletzten Sympathien beim Land verscherzen.

Nur für bedingt richtig halten EFI und ADFC die in dem Verwaltungspapier enthaltene Aussage, dass bei den genannten Abstellanlagen die Zahl der dort abgestellten Räder immer gering gewesen sei. Nun aber daraus den Schluss zu ziehen, man könne dort nun gänzlich auf Fahrradständer verzichten, entbehrt jeglicher Grundlage. In ihrem Offenen Brief haben EFI und ADFC als Kompromisslösung Verwaltung und Politik aufgefordert, an besagten Standorten Fahrradständer in reduzierter Zahl zu belassen, im Gegenzug aber an häufig genutzten Standorten wie beispielsweise am Willy-Brandt-Platz oder am Grillotheater ihre Zahl zu erhöhen. Zudem müssten neue Abstellanlagen an attraktiven Standorten wie der Porschekanzel installiert werden.

Nun hat Anfang Juli der für diese Angelegenheit zuständige Ordnungsausschuss zunächst einen Rückzieher gemacht -- ebenso wie die für den Innenstadtbereich zuständige Bezirksvertretung I wenige Wochen zuvor. Man wolle an besagten Standorten die Fahrradständer nicht grundsätzlich verschwinden lassen, sondern diese in verringerter Zahl allenfalls versetzen, auch wolle man eine Einbeziehung der Fahrradverbände.

Auf einer anderen Ebene jedoch schreitet der Abbau von Fahrradabstellanlagen in der City voran. Die im letzten Jahr auf Veranlassung des Kaufhofs verschwundenen VRR-Bügel im Eingangsbereich der Lindenallee sind zwar inzwischen ersetzt worden (siehe RiP 2/2002), allerdings nur in reduzierter Zahl. Und das an einem stark frequentierten Standort! Seit einigen Wochen ist auch die komplette Abstellanlage am III. Hagen, Ecke Brandstraße spurlos verschwunden. Auslöser dürfte hier das neugestaltete Umfeld der renovierten Sparkassenzentrale sein. Man darf gespannt sein, ob und wann und vor allem wo diese VRR-Bügel wieder auftauchen werden.

J.B.


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Herbst 2002.
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