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RAD im Pott Herbst 2002 Im Pott

Abenteuer in Thailand

Farang fährt Fahrrad !

Ich habe es getan! Tatort: Krabi, eine Kleinstadt im Süden Thailands. Trotz aller im Reiseführer aufgeführten Bedenken. In Thailand fährt man erst einmal Auto, am besten Mercedes oder BMW -- nicht selten auf Kosten aller anderen Arten von Lebensqualität. Nach diesen Nobelmarken kommt eine Weile nichts. Wenn das Geld für irgendein anderes Auto nicht mehr reichen sollte, ist ein motorisiertes Zweirad gerade noch akzeptabel. Ja, was bleibt da noch? Fahrrad, Fahrrad! würde es aus deutschem Lande schallen und sich dabei recht sportlich vorkommen. Allein, lieber Leser: wir sind in Thailand! Um es gleich klar auszudrücken: Als unmotorisierter Zweiradfahrer bist du hier eine Nullnummer, absolut unterste Stufe! Solltest du dir je mühsam ein Image erworben haben, auf dem Rad rinnt es dahin wie Schnee im Backofen.

Bevor Thais dieses rufschädigende Vehikel besteigen, gehen sie lieber zu Fuß. Fahrrad ist Arme-Leute-Status, das Fußgängertum dagegen ist Statusgrenzen transzendierend: Jeder hat eben zwei Beine, die ab und zu verwendet werden müssen -- auch jenseits des Gaspedals. Das wird man schon verstehen. Als Fußgänger lässt du den Thai im Ungewissen über deine finanzielle Potenz. Als Radfahrer hingegen gibst du zu: Ich kann nicht anders -- schlimm, ganz schlimm!

Und dann dies: Als Reisender aus Europa genießt du automatisch Ansehen als wohlhabender Mensch. Wie groß aber muss nun die Verwirrung sein, wenn ein solcher "Farang" (westlicher Ausländer) sich aus freier Entscheidung in aller Öffentlichkeit als Radfahrer degradiert? Dieser seltsamen Spezies gehört der Schreiber dieser Zeilen an. Radelnde Fortbewegung in Bangkok verbietet sich von selbst: dort wärest du als Selbstmordkommando gerade heutzutage sehr verdächtig. Drum lieh ich mir ein Rad in Krabi. Dass Thais Geld eventuell wichtiger erscheint als der gute Ruf, erkennst du daran, dass sie das schändliche Gewerbe der Fahrradvermietung betreiben.

Und so verbrachte ich einige Zeit auf dem Sattel, gewiss kein köstlicher Anblick für einen Thai, der auf ästhetisches Äußeres viel Wert legt. Etwas schimpansenhaft (1,88m), mit gebeugtem Rücken und stark angewinkelten Beinen bemühte ich mich dennoch um einen würdevollen öffentlichen Auftritt.

Ob dies entsprechend gewürdigt wurde, weiß ich nicht. Was ich aber weiß: Ich sah während meiner ca. 20 km langen Tour de Farce nicht einen Radkollegen, mit dem ich das Leid hätte teilen können. Statt dessen Blicke der Einheimischen (gerne geworfen von mich überholenden Mopedfahrern), denen ich nur gelegentlich mutig stand hielt.

Als ich dann nach drei Stunden Selbstdemontage mit angeschmerztem Hintern das Rad dem Vermieter übergab, gab er mir das Pfand zurück, das ich ihm hinterlegen musste: ein Flugticket von Bangkok nach Rangun/Birma. Ob mir das wohl Pluspunkte brachte?

Rainer Spallek


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Herbst 2002.
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