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RAD im Pott Herbst 2002 Im Pott

Brompton und Birdy in der Praxis -- ein Vergleich

1. Faltmaß: Das Brompton packt am kleinsten, es ergibt ein schönes rechteckiges Paket. Es ist erste Wahl für Pendler und für häufige Mitnahme unter beengten Verhältnissen. Man sagt ihm nach, es passe im IC in die Hutablage!

Das Birdy faltet recht gut, steht aber gefaltet etwas kippelig. Tip. So an eine Wand stellen, dass das Vorderrad von dieser weg zeigt. Das Birdy bleibt, dank einiger genialer Konstruktionskniffe, von alleine gefaltet, ohne zusätzliche Vorrichtungen. Das Brompton hat hierfür einige spezielle Schnappverschlüsse.

2. Fahreigenschaften: Das Birdy ist eindeutig ein Renner. Durch Vollfederung, 6,5 bar-Reifen, sportliche Sitzposition und äußerst geringes Gewicht bietet es sehr gute Fahreigenschaften. In punkto Fahrspaß setzt es Maßstäbe! Dies gilt auch im Vergleich zu "großen" Rädern, denn es ist klein, leicht und wendig. Dass man es noch falten kann, ist für manchen eine willkommene Dreingabe. Schon optisch ist das Birdy eines der coolsten Räder. Am besten natürlich völlig nackt, d.h. ohne Schutzbleche, Gepäckträger oder ähnliche "störende" Anbauteile.

Auch das Brompton ist gut zu fahren, es lässt sich zügig und bequem vorwärts fahren. Man vergisst sogar gelegentlich, dass man auf einem Faltrad fährt.

3. Technik: Das tolle Faltmaß beim Brompton erkauft man sich mit einigen Feinheiten, an denen der Grad der Optimierung auf diesen Parameter hin deutlich wird. So sind etwa die Bremsgriffe auf dem Lenker recht weit nach unten gedreht. Das muss aber so sein, damit der Lenker schön weggeklappt werden kann. Deshalb ist man beim Brompton auch bei vielen Ersatzteilen an Originalteile gebunden. Diese können sehr teuer sein. Die Ausstattung des Brompton orientiert sich am Alltagsgebrauch. Nabenschaltung und Zangenbremsen wirken auf sportliche Radler eher altbacken. Trotzdem erfüllen sie sicherlich ihren Zweck, sind robust und preisgünstig zu ersetzen.

Auch beim Birdy gibt es ein Teil, das man anderswo kaum bekommt: Decken, Schläuche und Felgen für die 18"-Räder gibt´s quasi nur bei Riese und Müller bzw. bei Schwalbe. Ansonsten ist das Birdy mit aktuellen Standardteilen ausgestattet. Diese können bei Bedarf recht problemlos ausgetauscht und umgebaut werden. Die V-Brakes der aktuellen Modelle sind sehr gute Bremsen, bei dem geringen Gewicht fast überdimensioniert. Wer genau hinschaut, kann den Schuss Konstrukteur-Genialität an konkreten Details fest rmachen. Tip: Auf den über Kopf eingebauten Steuersatz, die leicht schräge Drehachse des Lagers der Hinterrad-Schwinge oder die geschickte Doppelnutzung der Schwingenlager vorne und hinten zum Falten und Federn achten.

4. Fazit: Das Brompton ist in mancher Hinsicht typisch englisch. Wer genau hinsieht, findet viele originelle Lösungen, einige Details sind fast skurril zu nennen. Das dürfte den besonderen Touch ausmachen, der Liebhaber begeistert. Dabei bietet es ein sehr gutes Faltmaß und ist mit seinen kleinen Besonderheiten ein Rad, das man lieb gewinnen muss.

Das Birdy ist eher ein trendiges Fahrzeug. Technisch bietet es mit seiner soliden Konstruktion so richtig typisch deutsche Ingenieursarbeit.

Volker Gardain


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Herbst 2002.
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