<< Rheinlandtaler für Jörg Brinkmann zurück zur Jahresübersicht Zwei wichtige Radwege im Ruhrtal gesperrt >>


RAD im Pott Frühjahr 2002 Essen

Diskussion um Radwege Stadtwaldplatz und Heisinger Straße

Welche Radverkehrsanlage ist die bessere?

Welche Art von Radverkehrsanlagen gilt als die sicherste und damit als die bessere? Diese Frage ist für EFI und ADFC eigentlich seit Jahren beantwortet: Innerhalb von Städten sind dies die von der Fahrbahn abgeteilten Radfahrstreifen, verkehrswissenschaftliche Untersuchungen belegen dies. Daher sollten Radfahrstreifen heutzutage auch Standart bei der Anlage von Radverkehrsanlagen sein.

Herkömmliche Radwege, oftmals abgelegt auf Kosten der Breite von Fußwegen, liegen vielfach versteckt hinter Parkstreifen und Grünflächen. Das macht sie gerade in Städten so gefährlich, denn in (un-)schöner Regelmäßigkeit werden Radfahrer an Kreuzungen, Einmündungen sowie an Grundstückszufahrten von abbiegenden Autofahrern übersehen. Der Grund: Die Radler befinden sich außerhalb des Blickfelds der Autofahrer, da sie durch die parkenden Autos usw.
[Foto]
Stadtwaldplatz 2002: Parkende Autos auf Gehwegen, auf Radwegen, in Busbuchten
verdeckt werden. Besonders fatal ist dieses für Kinder, die allein wegen ihrer Größe optisch völlig verschwinden. Ihnen wird mit dem Benutzen derartiger Radwege eine Sicherheit suggeriert, die faktisch so nicht existiert. Bei Radfahrstreifen bzw. bei durchgängig neben der Fahrbahn liegenden Radwegen bleiben dagegen Radfahrer immer im Blickfeld der Autofahrer, womit einer der elementarsten Grundsätze beim Straßenverkehr erfüllt ist - sehen und gesehen werden! Aus diesem Grund zählen sie innerhalb geschlossener Ortschaften zu den sichersten Radverkehrsanlagen. Und dennoch sind sie angesichts der im Moment bestehenden politischen Mehrheiten in Essen nicht mehr durchsetzbar!

Im Zuge des Umbaus des Stadtwaldplatzes sowie im sich anschließenden Abschnitt der Frankenstraße sind jetzt sogenannte Tiefbordradwege angelegt worden, die ähnlich wie Fahrradstreifen direkt am Straßenrand liegen. Sie sind aufgepflastert und mit Bordsteinkanten von der Fahrbahn abgetrennt, liegen jedoch sehr niedrig - der ein- und ausparkenden Autos bzw. der Busse wegen, die den Radweg queren müssen. Genau deswegen ist nun Kritik aufgekommen. Eigentlich unberechtigt, denn weil die Radwege am Stadtwaldplatz am Fahrbahnrand liegen, können Radfahrer eigentlich nicht übersehen werden. Sie liegen ja voll im Blickfeld der Autofahrer. Es sei denn, es handelt sich um besonders rücksichtslose motorisierte Zeitgenossen - die es zweifelsohne leider gibt. Dies kann aber nicht als Begründung für eine Zurückverlegung der Radwege herhalten, denn das würde einer Kapitulation gegenüber dem Rowdytum einiger Autofahrer auf Essens Straßen gleichkommen.

Schwerwiegender ist das Argument, der am Fahrbahnrand liegende Radweg würde ständig zugeparkt werden, was am Stadtwaldplatz faktisch auch bereits passiert.

Hinter vorgehaltener Hand ist sogar zu hören, dass der Radweg ganz offiziell

als Ladezone dienen soll. Gerade letzteres verdeutlicht einmal mehr, welches Denken heutzutage in Bezug auf den Autoverkehr vorherrscht. Klar, dass dies so nicht akzeptabel ist. Hier müsste die Stadt eigentlich schon vor Beendigung der Bauarbeiten verstärkte Kontrollen durchführen, um das wilde Beparken des neuen Radweges nicht einreißen zu lassen! EFI und ADFC jedenfalls werden die Angelegenheit im Auge behalten.

Eine etwas anders gelagerte Diskussion läuft zur Zeit im Ortsteil Heisingen ab. Dort soll die Heisinger Straße, die Hauptverkehrsachse im Ort, demnächst neu gestaltet werden, wobei ebenfalls Radverkehrsanlagen eingeplant sind (eigentlich heutzutage eine Selbstverständlichkeit, zumal die Heisinger Straße Bestandteil des Hauptradroutennetzes ist). Wie am Stadtwaldplatz sehen die Planungen auch hier direkt am Fahrbahnrand liegende Tiefbordradwege links von den parkenden Autos vor. Zudem sollen diese ausreichend breit und vor allem geradlinig geführt werden.

Auf einer Bürgerversammlung Mitte Januar wurden die Radwege von einigen Anwesenden zunächst einmal in Bausch und Bogen verdammt. Andere wollten lediglich einen Zweirichtungs-Radweg auf nur einer Seite sehen (was verkehrsrechtlich innerhalb geschlossener Ortschaften seit 1997 nicht mehr möglich ist), und dies am besten sogar noch als kombinierten Radgehweg. Da könne man doch Platz sparen - und Geld natürlich! Das sollte wohl als Pseudoargument dafür dienen, die Radwege dann doch lieber gleich ganz wegzulassen. Der Hintergrund ist der, dass einigen Anliegern der Heisinger Straße ein Teil ihres Vorgartens abgeknappst werden, weshalb sich auch eine Bürgerinitiative gebildet hat. Es gab aber auch -- und das sei hier extra betont -- auf der Bürgerversammlung eindeutige Befürworter der geplanten Radwege.

EFI und ADFC halten die vom Tiefbauamt ausgearbeiteten Pläne in Heisingen für eine akzeptable Lösung. Natürlich hätten die Fahrradverbände hier lieber Radfahrstreifen gesehen. Da diese aber politisch nicht durchsetzbar sind, tragen EFI und ADFC die Planungen mit. Momentan sieht es allerdings danach aus, dass die Heisinger CDU, die bislang die Radwege in der ursprünglich geplanten Form befürwortet hat, angesichts der lautstarken Proteste nun doch die Planungen ändern lassen möchte. So sollen vor allem an engen Stellen statt der vorgesehenen Tiefbordradwege kombinierte Radgehwege entstehen.

EFI und ADFC bauen darauf, dass die CDU zu ihrem Wort steht und bei den Ausbaustandards der geplanten Radwege entlang der Heisinger Straße keine weiteren Rückschritte zulässt.

J.B.


<< Rheinlandtaler für Jörg Brinkmann zurück zur Jahresübersicht Zwei wichtige Radwege im Ruhrtal gesperrt >>


Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Frühjahr 2002.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de