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RAD im Pott Frühjahr 2002 Im Pott

Kleiner Ratgeber für Eltern

"Starke" Kinder durch Radfahren

Der alltägliche Mangel an Bewegung macht Kinder krank, dick und anfällig für (Verkehrs-)Unfälle. Meldungen wie: 30% der Kids haben Übergewicht, 16% haben auffällige psychomotorische Defizite (können beispielsweise nicht rückwärts laufen), alarmieren in der Tagespresse. Die geistig-seelische Entwicklung ist eng verknüpft mit den motorischen wie körperlichen Erfahrungen und Fähigkeiten. Kinder brauchen Bewegung!

Den erschreckenden Erkenntnissen der Ärzte kann man etwas entgegensetzen. Kindergarten, Spielplätze, Freunde, der Einkauf, die Schule, das nächste Grün, der Sportplatz und vieles mehr sind auch per Rad, mit dem Roller und zu Fuß erreichbar. Durch die Bewegung an der frischen Luft wird die Umwelt intensiv erlebt, werden die Sinne geschärft und die motorische Koordination der Kinder verbessert.

Die innere Aktivität bestimmt die äußere Mobilität. Vielen Kindern wird der Zugang zu diesbezüglichen Erfolgserlebnissen und der daraus entstehenden Selbständigkeit verwehrt. Wird der Nachwuchs im Auto von einem Ort zum anderen chauffiert ("Mamataxi"), ist das Kind fremdbestimmt, wird von der Außenwelt abgeschirmt und ist letztendlich zur Untätigkeit verbannt. Auto fahren ist
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Kinder mit Fahrrädern
langweilig, es gibt keine Möglichkeiten, sich über den eigenen Körper die Umwelt anzueignen. Eine Orientierung im Umfeld (Wohnviertel /Stadt) ist kaum möglich. Und - im Auto ist die Schadstoffkonzentration am höchsten! Jene Kinder, die ohne Auto unterwegs sind, werden oftmals durch die rücksichtslose elterliche Begleitmobilität massiv gefährdet. Unter anderem werden Radwege und Überwege zugeparkt, an vielen Schulen und Kindergärten inzwischen leider eine Selbstverständlichkeit.

Keine Frage, auf andere Art mobil zu sein und das auch durchzuhalten ist für Eltern anstrengender, bringt aber gerade die genannten Vorteile für die kindliche Entwicklung. Die mit elterlicher Begleitung zurückgelegten "Übungskilometer" machen den Nachwuchs fit für den Straßenverkehr und helfen so Unfälle zu vermeiden. Und ein bißchen Fettverbrennung tut auch Erwachsenen ganz gut.

Die Mitarbeiter vom Kommissariat Vorbeugung der Oberhausener Polizei kamen zu der Erkenntnis, dass manchen Kindern erst einmal das Radfahren beigebracht werden müsste, bevor diese in der 3. Klasse überhaupt zur Radfahrprüfung starten könnten. Solche Fehlentwicklungen können durch elterliches Engagement verhindert werden. Hier einige Tipps für engagierte Eltern:

Weitere Informationen gibt es natürlich in den Geschäftsstellen des ADFC und hier speziell bei der Arbeitsgruppe rad+kind des ADFC-Oberhausen/Mülheim (Adresse siehe S. 46).

Tipps für den Start

1. Tipp: Stützräder gehören nicht ans Fahrrad !!!

Stützräder führen nicht selten zu bösen Stürzen, wenn z.B. ein Rad an der Bordsteinkante keinen Halt findet oder Kurven mit zu hohem Tempo durchfahren werden. Die Physik eines Rades mit Stützrädern unterscheidet sich wesentlich vom "normalen" einspurigen Fahrrad. Mit Stützrädern erlernt ein Kind eine andere, falsche Motorik. Gleichgewichtssinn und Koordination werden so nicht trainiert. Und es kommt noch schlimmer. Die Stützradmotorik erschwert massiv das Erlernen des "Gleichgewichtsfahrens". Die Kinder haben Angst umzufallen.

2. Tipp: Ab 3 Jahren mit dem Tretroller anfangen.

Diese gerade beschriebene Umlernproblematik tritt beim Übergang vom Roller zum Rad nicht auf. Ein gummibereifter Tretroller (kein Kickboard!) mit guten Bremsen ist die beste Vorbereitung auf das Radfahren. Lenken, bremsen, Gleichgewicht halten und die eigene Geschwindigkeit einschätzen werden auf dem Roller optimal erlernt. Und wenn es brenzlig wird, kann man abspringen. Mit dieser Vorbereitung brauchen 4-jährige Kinder dann oft nur 10 bis 60 Minuten, um Radfahren zu können.

3. Tipp: Mit einem passenden, kleinen Rad anfangen.

Es ist besser mit einem gebrauchten, aber passenden Kinderrad zu starten. Besonders am Anfang darf das Rad nicht zu groß sein!

4. Tipp: Richtig Radfahren lernen - trotz einer Stützradgewöhnung.

Burkhard Schmidt

Das Laufrad für Kinder

Kinder, welche auf dem LIKEaBIKE das Fahrradfahren lernen, steigen später problemlos aufs Fahrrad um. Das bereits für Kinder ab 2 Jahren geeignete LIKEaBIKE ist ein Holzlaufrad ohne Pedale. Nahezu spielerisch werden Motorik, Koordination und Gleichgewichtssinn geschult. Bereits nach wenigen Versuchen bewegen sich Kinder sicher auf den zwei Rädern.
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Dabei stützt sich das Kind mit den Beinen vom Boden ab. Wichtig ist, dass die Beine des Kindes auf den Boden reichen, wobei der verstellbare Sattel dann später "mitwachsen" kann. Das aus massivem Birkenholz gebaute Rad ist sehr stabil und kann durchaus mehrere Kindergenerationen überstehen. Das LIKEaBIKE kann man u.a. über den ADFC-Shop beziehen (Grünenstr. 8-9, 28199 Bremen, Fax (0421) 246 39-60).

J.B.

Aktiv radeln mit dem Kinder-Trailer

Bei größeren Radtouren sind Kinder mit ihren kleinen Rädern schnell überfordert. Häufig steckt man sie daher in Kindersitze oder in entsprechende Anhänger. Es gibt aber auch Möglichkeiten, Kinder aktiv bei größeren Touren
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mitradeln zu lassen, ohne sie dabei zu überfordern.

So werden Gefährte angeboten, die auf den ersten Blick wie eine Mischung aus Kinderrad und Anhänger aussehen. Es fehlt im Prinzip die Vordergabel mitsamt Lenker, erst ab dem Sattelrohr entspricht es einem normal angetriebenen Rad. Vom Sattelrohr ausgehend wird das gefährt mittels einer langgeschwungene Deichsel an ein anderes Rad angehängt. So kann das Kind während der Fahrt je nach Leistungsvermögen aktiv mitradeln oder aber sich ziehen lassen.

Nach dem gleichen Prinzip kann man übrigens mittels einer speziell dafür konstruierten Stange auch normale Kinderräder an ein großes Fahrrad anhängen. Die Stange wird an die Gabel des Kinderrades angebracht, das Vorderrad hängt dabei in der Luft. Das Kind kann dann wieder mitradeln oder aber sich ziehen lassen.

J.B.

(Siehe auch die kinderfreundlichen Radtouren im Tourenteil !)


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Frühjahr 2002.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de