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Rad im Pott Winter 2001 Duisburg

Neue Wege für den Radverkehr

An ihren Taten sollst Du sie messen

Gerade noch rechtzeitig vor Druck dieser RiP-Ausgabe hat der Ausschuss für Bauwesen, Verkehr und Logistikent-wicklung die Velorouten für Duisburg genehmigt und gegen die Stimmen der CDU der Umsetzung der beiden Musterrouten sowie der geradlinigen Führung der Rou-te durch die Bazarstraße zugestimmt. Damit wurden die teilweise ablehnenden Voten der Bezirksvertretungen (z. B. in Hamborn) aufgehoben.

Bei der Förderung des Radverkehrs haben sich also die Bezirke - und hier meist die CDU - erneut als Bremser erwiesen. (Ein Beispiel dafür, welcher Stellenwert dem Radverkehr von den Christdemokraten in ihrer politischen Praxis eingeräumt wird.) Zwar werden die Bezirke bei solchen stadtübergreifenden Maßnahmen nur angehört. Es wird aber trotzdem darüber abgestimmt. Es ist guter Brauch, dieses Ergebnis in den dann beschließenden Ausschüssen zu berücksichtigen.

Schwierige Vorgaben und kein Geld!
Die RIP berichtete über den Prüfauftrag an die Verwaltung. Die Grundlagen für das Veloroutennetz sind seit dem 10. Mai 2001 beschlossene Sache.

Velorouten sind idealtypisch Wege nur für den Radfahrer. Natürlich werden in Duisburg keine neuen "Fahrradautobahnen" gebaut. Die gefundenen Verbindungen laufen zumeist über verkehrsarme Seitenstraßen, manchmal durch eine Grünanlage, ausnahmsweise auch über eine Hauptverkehrsstraße. Die Verwaltung hatte die schwierige Aufgabe, Wege für die Radfahrer zu finden, die die unfallträchtigen Hauptverkehrsstraßen umgehen, die Stadtteile miteinander verbinden und trotzdem den Haushalt nicht über Gebühr belasten. Letzteres war die größte Hürde. Nur durch die Fördermittel des Landes konnten diese Maßnahmen verwirklicht werden. Die Planungen für die ersten beiden "Pilotrouten" sind jetzt abgeschlossen. Rund 110 Einzelmaßnahmen werden nötig sein, um eine Ost-West- sowie eine Nord-Süd-Verbindung zu erstellen. So werden z.B. neue Beleuchtungen in Grünanlagen installiert oder neue Querungshilfen über Hauptverkehrsstraßen angelegt.

Weitere Velorouten werden (hoffentlich schnell) folgen. Weitere vier Routen sieht das Radverkehrsnetz des Landes vor. Auf drei Nord-Süd- und sieben Ost-West-Verbindungen sollen in Zukunft die Radfahrer sicher durch Duisburg fahren. Die Idee, Radfahrer auf Nebenstrecken zu führen, wird vom ADFC begrüßt. Sicherlich ist dies eine Maßnahme, die auch die steigenden Unfallzahlen mildern kann. Dass man in Duisburg erst zwei Pilotrouten benötigt, obwohl aus anderen Städten beste Erfahrungen vorliegen, ist zwingende "Duisburger" Logik. Oder doch ein Zeichen des fehlenden (politischen) Willens?

Viele Kompromisse wurden eingegangen, wobei die Finanzen auch eine große Rolle spielen. Es wird z.B. darauf verzichtet, Radwege durchgängig auf das von der StVO geforderte Mindestmaß zu verbreitern. Auch dass in der Innenstadt die Fußgängerzone Königstraße als Veloroute benutzt wird, kann von uns nicht begrüßt werden. Zwar ist die Anbindung der Fußgängerzone ein wichtiges Ziel der Fahrradfahrer, ein zügiges Fortkommen für den Radfahrer ist hier nicht zu gewährleisten. Der jährliche Weihnachtsmarkt macht dies mehr als deutlich. Viele Monate ist die Veloroute nur mit Behinderungen passierbar. Umwelt- und Handwerkermarkt, Weinfeste, u.v.a. Veranstaltungen erlauben nur das Schieben des Rades. Die Beschwerden der Fußgänger sind hier verprogrammiert und werden sicherlich gern von der Politik ausgeschlachtet.

Gleiches gilt für die Benutzung des Tunnels in der Verknüpfungshalle (U-Bahn-Station Hbf). Die Verknüpfungshalle mit Ihren jetzigen Problemen wird direkt angesteuert. Gegenüber der ursprünglichen Planung wird aber nicht der Bustunnel als Durchführung genutzt, sondern der Landfermanntunnel. Diesen Umweg werden die Radfahrer auch zukünftig nicht akzeptieren. Eine echte Alternative zur Königstraße wird seit langem vom ADFC gefordert, der hier die Verbindung über die Landfermannstraße, Gutenbergstraße und Poststraße, also den direkten Weg aus dem Tunnel vorgeschlagen hat.

"Gut Ding will Weile haben." Aber ist 2005 als Fertigstellungstermin für die ersten Velorouten realistisch? Wann folgen die nächsten?

Lobenswert ist die Ausschilderung des Landesradverkehrsnetzes. Mit je einem Nah- und Fernziel wird die Orientierung deutlich erleichtert.

Viele Wünsche bleiben, aber ein wichtiger Grundstein wird gelegt. Wir hoffen, dass die Routen schnell umgesetzt werden. Sie werden ihre Wirkung bei der Förderung des Radverkehrs nicht verfehlen.

Wer heute schon abseits der Hauptverkehrsstraßen fahren möchte, nehme den Fahrradstadtplan Duisburg zur Hand. Hier finden sich noch mehr Velorouten. Erhältlich ist er in der Geschäftsstelle des ADFC und im Fahrradhandel, der Duisburg Agentur und im Buchhandel.

HH


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Dieser Artikel erschien in der Rad im Pott Winter 2001.
Für Nachfragen, Kommentare: Rad-im-Pott@gmx.de