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Rad im Pott Winter 2001 Essen

CDU und GRÜNE gemeinsam für neue Radrouten

In einem gemeinsam formulierten Antrag haben die Fraktionen von CDU und GRÜNE die Verwaltung beauftragt, den Sachstand der Planung von Rad-/Gehwegen auf stillgelegten Bahntrassen im Hinblick auf den Grunderwerb, den Förderverfahren so-wie der Einschätzung zu grundsätzlichen Realisierungschancen darzulegen. Grundlage für den Antrag war eine vor zwei Jahren beim Arbeitskreis Fahrradfreundliche Stadt vom Grünflächenamt vorgelegte Liste, welche immerhin 13 mögliche Projekte beinhaltet. Bereits realisiert wurde inzwischen die Route Wichteltal - Charlottenberg in Burgaltendorf, die Routen Schalker Straße - Imkerweg in Katernberg sowie Herbrüggenstraße - Heißener Straße in Schönebeck sind derzeit in Bau.

Hintergrund diese gemeinsamen Antrages ist der Versuch der GRÜNEN, einen gemeinsamen Nenner mit der CDU zu finden, damit die Radverkehrsförderung in Essen nicht gänzlich zum Erliegen kommt. Mit der Umgestaltung ehemaliger Bahntrassen zu Rad-/ Gehwegen scheint man nun fündig geworden zu sein. EFI und ADFC begrüßen außerordentlich diesen Vorstoß und werden diesen in jedem Fall unterstützen.

Übrigens sollten nach Ansicht von EFI und ADFC die folgenden drei früheren Bahntrassen Priorität genießen:

J.B.


Essener CDU blockiert Einsatz von Fördermitteln für den Radverkehr

Viele Radverkehrsmaßnahmen werden vom Land gefördert. Das für die Verteilung der Finanzmittel zuständige Gremium ist der Regionalbeirat. Hier sitzen u.a. Vertreter der Kommunen und Landkreise. Da die CDU die letzte Kommunalwahl in vielen NRW-Kommunen gewonnen hat, besitzt sie seither in dem für Essen zuständigen Regionalrat die Mehrheit.

Als einzige (!) Maßnahme für 2002 hatte Essen die Schließung der zwischen den Radverkehrsanlagen auf der nördlichen Hindenburgstraße und der Ostfeldstraße bestehenden 300 Meter langen Lücke beantragt, Kostenpunkt ca. 850 000 DM. Gleichzeitig hatte man den etwa 17 Mio DM kostenden Neubau der Humboldstraße im Stadtteil Haarzopf (immerhin sogar mit Radverkehrsanlagen) sowie - kurzfristig nachgeschoben - den 23 Mio DM teuren, 500 Meter langen sechsspurigen Gigantausbau der Alfredstraße / B 224 (siehe auch RiP 1/2001) beantragt.

Vor allem mit letzterem, völlig unsinnigen, weil Verkehrsprobleme nur verlagernden Straßenbauprojekt hatte man den der Stadt Essen eigentlich zustehenden Förderanteil völlig überzogen. Um vor allem die Alfredstraße doch noch genehmigt zu bekommen, schlug man seitens der Essener CDU vor, als "Aus-gleich" den Förderantrag für den Lückenschluss Hindenburgstraße zurückzuziehen. Abgesehen von diversen kleineren Maßnahmen ist damit im kommenden Jahr kein größeres Projekt für den Rad-verkehr mehr in Sicht - ein Armutszeugnis sondergleichen!

J.B.


Keine Entschärfung des Unfallbrennpunktes Wuppertaler Straße gewollt?

In der letzten Rad im Pott haben wir über eine Häufung von Radlerunfällen auf der Kreuzung Wuppertaler Straße / Marie-Juchacz-Straße in Rellinghausen berichtet. Grund sind mit unverminderter Geschwindigkeit durch den freigeführten Rechtsabbieger fahrenden Kraftfahrzeuge, die dann unverhältnismäßig schnell den eigentlich vorfahrtberechtigten Radweg kreuzen.

Auf Antrag der Grünen hatte die zuständige Bezirksvertretung II die Verwaltung aufgefordert, hierzu Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Was dabei herauskam, ist an Absurdität kaum zu überbieten! Grundtenor der Verwaltung: Die Radfahrer seien Schuld! Sie würden zu sorglos über die Radwegefurt die Kreuzung überqueren. Daher solle die Roteinfärbung der Radwegequerung sowie die rote Pflasterung auf den Mittelinseln (beides wesentliche Elemente für eine sichere Querung und bislang Standart in Essen) ausgerechnet hier wieder entfernt werden. Gleichzeitig solle der Radweg zum Gehweg mit dem Zusatz "Radfahrer frei" umgewidmet werden. Eine Blickachse vom freigeführten Abbieger auf den Radweg solle freigschnitten sowie zusätzliche Pfosten gesetzt werden. Letzteres ist aus Sicht der Fahrradverbände die einzige sinnvolle Maßnahme aus dem städtischen Katalog.

Die eigentliche Unfallursache, die unangepasste Geschwindigkeit der Kraftfahrzeuge wird hingegen nicht in Frage gestellt. Es werden zwar zusätzlich ein paar Hinweisschilder aufgestellt, was in der Praxis aber kaum einen Autofahrer ernsthaft interessieren dürfte. Radfahrer könnten ja auch mal absteigen, heißt es....!

Einmal abgesehen von dieser eigentlich überwunden geglaubten Denkweise werden angesichts des gerade hier besonders hohen Radverkehrsaufkommens Unfälle wohl auch weiterhin vorprogrammiert bleiben. Notwendig ist eine Ampel für besagten Rechtsabbieger oder aber ein Stopschild, was aber wegen angeblich zu starker Behinderung des Autoverkehrs nicht weiter in Betracht gezogen wird. Welche Rolle spielt schon die Sicherheit von Radfahrern? Die allerbeste Lösung wäre natürlich die Querung des Radweges unter der Brücke hindurch, was von EFI und ADFC bereits seit langem gefordert wird. Eine derartige Maßnahme dürfte aber wohl erst langfristig zu erwarten sein.

J.B.


Gegenwind für Radverkehrsanlagen im Essener Westen

Nachdem die Fahrradstraße in der Breslauer Straße abgelehnt wurde, hört man auch weiterhin nicht viel Gutes aus dem Essener Westen. So ist es der Bezirksvertretung III selbst im zweiten Anlauf nicht gelungen, die in Frohnhausen geplanten Fahrradstraßen Kerckhoff- und Dollendorfstraße zu beschließen. SPD, Grüne und PDS sind zwar dafür (die CDU natürlich dagegen), waren aber bislang nicht in der Lage, trotz ihrer einen Stimme Mehrheit die Fahrradstraßen zu beschließen. Bei beiden Abstimmungen hat jeweils ein Vertreter der SPD gefehlt, so dass ein Patt herrschte, was die Ablehnung des Antrages bedeutete.

Ebenfalls zur Entscheidung stehen die Angebotsstreifen auf der Keplerstraße in Holsterhausen an. Die BV III hatte deren Einrichtung mit den Stimmen von SPD, Grünen und PDS mit der Einschränkung zugestimmt, das Ergebnis einer Bürgerversammlung abzuwarten. Bei der Veranstaltung Mitte November hielt sich die Meinung der anwesenden Bürger für und gegen die Angebotsstreifen zunächst die Waage, bis dann ein CDU-Bezirksvertreter begann, gegen deren Einrichtung zu polemisieren. Selbst der dort ebenfalls anwesende EFI-Vertreter konnte da nur noch bedingt gegenhalten, so dass in der WAZ anschließend zu lesen war, die anwesenden Bürger seien in Gänze gegen die Angebotsstreifen gewesen. Bleibt nur zu hoffen, dass die BV III in ihrer entgültigen Beschlussfassung sich von den völ-lig unsachlichen Einlassungen des CDU-Vertreters nicht beeinflussen lässt.

J.B.


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Dieser Artikel erschien in der Rad im Pott Winter 2001.
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