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Rad im Pott Winter 2001 Im Pott

Da ist er wieder !

Der ganz normale (Auto)wahnsinn ...

Dass es ihn gibt, wissen wir alle; insbesondere aktive ADFClerInnen. Wie heftig er tobt, wird einem nur hin und wieder bewusst. Wie mir vor kurzem in einem Vorstellungsgespräch.

Frage: "Sind Sie eigentlich motorisiert ?"
Antwort: "Nein, ich bin begeisterter Fahrrad-, Bus- und Bahnfahrer !"
F: "Und wie wollen Sie dann regelmäßig von Duisburg nach Moers kommen ?"
A: "Mit Bus und Bahn und meinem Faltrad !"
F: "Und wenn Sie abends eine Besprechung haben, wie kommen Sie dann zurück ?"
A: "Dann fährt einmal stündlich eine Bahn und alle 30 Minuten ein Bus."
F: "Und bei Außenterminen in anderen Städten ?"
A: "Fahre ich auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Im Herausfinden von
Verbindungen bin ich geübt."
F: "Wären Sie denn bereit, sich ein Auto zu kaufen, wenn das alles nicht klappt ?"
A: "Nur im äußersten Notfall. Ich gehe nämlich davon aus, dass es klappt."
F: "Es ist also Ihre Angelegenheit, wie Sie zu Ihren dienstlichen Terminen kommen." (zwischen den Zeilen: "Sagen Sie hinterher nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt ...")

Das ist nur ein Beispiel für den alltäglichen Autowahn, frei nach dem Motto: "Das soll gehen, ohne Auto zu leben ?" (In der nächsten RIP werden wir übrigens das sehr lesenswerte Buch "ÜberLeben ohne Auto" vorstellen. Vorweg schon der Tipp: www.autofrei.de).

Andere Beispiele sind der nette Einzelhändler, der einem beiläufig erzählt, dass er jetzt von Duisburg nach Wesel zieht und wann er wielange braucht, um dann wieder an seiner Arbeitsstelle in Duisburg zu sein. "Ist gar nicht so schlimm wie erwartet. Nur zu bestimmten Zeiten dauert es 45 Minuten oder länger."

Oder die genervte Vermieterin, die nachfragt, wann das Alltagsrad denn jetzt endlich vom Baum auf dem Bürgersteig vor dem Haus in den Keller wandern würde. "Gar nicht. Das steht nämlich da, damit man es ständig benutzen kann." "Das geht aber nicht, weil ich da meine Laubsäcke hinstellen muss." "Das Rad bleibt aber auch im Winter draußen. Dann müssen Sie Ihre Laubsäcke eben daneben stellen, da ist ja genug Platz. All die geparkten Autos stören Sie übrigens nicht, oder ?" (zieht grummelnd ab)

Oder die ständig blockierten oder zugeparkten Fahrradwege und Bürgersteige. Standardantwort: "Was regen Sie sich denn so auf, ich steh' ja nur ganz kurz hier !"

Die Liste ist zugegebenermaßen subjektiv und ließe sich beliebig erweitern. Sie kennen sicherlich noch weitere Beispiele aus dem Alltag von Fußgängern und Radfahrern. Vielleicht mindert es den Frust etwas, wenn man weiß, dass der Wahnsinn eben doch ein Wahnsinn ist - und nicht normal.

Peter Gölz


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Dieser Artikel erschien in der Rad im Pott Winter 2001.
Für Nachfragen, Kommentare: Rad-im-Pott@gmx.de