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Rad im Pott Winter 2001 Im Pott

Radstation mit fließend warmen Wasser und Frühstück

Manchmal kommen sie einem vor, wie Pforten zum Radlerparadies, jedenfalls entwicklen sich einige Radstationen in der bundesdeutschen Dienstleistungswüste zu Serviceoasen. Insgesamt 60 Fahrradstationen gibt es in Deutschland mittlerweile. Die RiP gibt einen aktuellen Überblick.

Am 28.04.1997 eröffnete in Mülheim-Styrum nicht nur die erste, sondern auch bis heute mit 100 Stellplätzen kleinste Radstation des Landes. Mit dem integrierten
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Bahnhofsladen "Radstop" ist der Zwerg wirtschaftlich sogar ein Erfolgsmodell. Dagegen wird die 1999 eröffnete Radstation Münster mit 3300 Stellplätzen sicherlich die Größte ihrer Art bleiben. In Sachen Mobilität hingegen dürfte demnächst die Radstation am Mülheimer Hauptbahnhof das umfassenste Angebot aufweisen. Neben "Shop and go", dem Heimlieferdienst, und "Public Car" ist hier für das Jahr 2002 der Ausbau zu einer kompletten Mobilitätszentrale geplant. Weniger mobil, dafür umso gastlicher ist seit September 2000 die Radstation Selm-Beifang. Für 11 Euro wird bei einer Wochenendtour im südlichen Münsterland neben sicherem Fahrradparken dem Fahrradbesitzer sogar eine Übernachtung angeboten.

In den RiP-Städten gibt es neben den beiden Mülheimer Radstationen noch die im Oberhausener und im Essener Haupt-bahnhof. Bei letzterer werden trotz der für Radler schlechten Anbindung der Essener City mittlerweile täglich 130 von 180 Stellplätzen genutzt. Kurz vor dem Spatenstich steht nunmehr die Radstation am Bahnhof Altenessen. Ursprünglich ein IBA-Projekt, sollte sie eigentlich schon vor drei Jahren fertiggestellt sein. Jetzt wird es wohl 2003 werden. Wie bereits am Hauptbahnhof ist dort die "Neue Arbeit der Diakonie" als Betreiber geplant. In Duisburg soll der dortige Hauptbahnhof demnächst auch eine Radstation erhalten. Wann und in welchem Umfang ist derzeit allerdings noch nicht geklärt; immerhin gibt es einen konkreten Interessenten als Betreiber.

Insgesamt wurden bislang 11.683 bewachte Stellplätze geschaffen. 264 Mitarbeiter arbeiten derzeit in den nordrhein-westfälischen Radstationen, wobei diese sich aus befristeten, unbefristeten, Voll- und Teilzeitarbeitsplätzen zusammensetzen und auch alle angebotenen Dienst-leistungen umfassen. Neben Mindestöffnungszeiten - hier gibt es leider personalbedingt zu viele Unterschiede - müssen Radstationen auch Fahrradverleih und -service anbieten. Besonders beliebt sind hierbei die automatischen Fahrradwaschanlagen einiger Radstationen. Die einheitlichen Preise für Bewachung wurden zum 1.9.2001 erhöht, werden allerdings zum 1.1.2002 wieder geringfügig auf glatte Eurobeträge abgerundet (Tagesticket 0,70 €, Monatsticket 7,00 €, Jahresticket 70,00 €).


Hier nun die vollständige Auflistung aller 33 Radstationen in NRW in der chronologischen Reihenfolge ihrer Eröffnung:

Mülheim-Styrum, Gütersloh, Ibbenbüren, Hamm, Oberhausen, Wanne-Eickel, Castrop-Rauxel, Bad Oeynhausen, Mülheim Hbf, Grevenbroich, Bottrop, Gladbeck-West, Kamen, Rheine, Münster, Witten, Bünde, Essen-Hbf, Bocholt, Paderborn, Halle (Westf.), Ochtrup, Burgsteinfurt, Bonn, Krefeld, Selm-Beifang, Soest, Lippstadt, Oelde, Dorsten, Herford, und Bottrop-ZOB.

Zusätzlich gibt es in NRW weitere 9 Fahrradstationen, die aber nicht die einheitlichen Qualitätsmerkmale der Radstationen aufweisen, sondern zumeist nur das Kernangebot "Bewachung". Sie befinden sich in Ratingen, Düren, Unna, Bönen, Bochum, Bielefeld, Lünen-Hauptbahnhof, -Brambauer und -Preussen. Die meisten dieser Fahrradstationen beabsichtigen aber durch Ausweitung des Angebotes und Übernahme des Gestaltungskonzeptes zum ADFC-testierten Kreis der Radstationen aufzusteigen.

Geplant sind im nächsten Jahr die Eröffnungen von Radstationen in Köln (Hbf), Neuss, Gronau, Viersen und Herzogenrath, Baubeginn wird in Warendorf und Billerbeck sein. Zahlreiche baureife Projekte sind übrigens nach der letzten Kommunalwahl nicht zur Realisierung gekommen. Es verwundert, wie in einigen Stadten eine Radstation zum ideologischen Streitobjekt von Lokalpolitikern werden konnte.

Übrigens: Auch außerhalb der NRW-Landesgrenzen wurden mittlerweile in Osnabrück, Aschaffenburg und Braunschweig "echte" Radstationen eingerichtet.

hpv/J.B.


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Dieser Artikel erschien in der Rad im Pott Winter 2001.
Für Nachfragen, Kommentare: Rad-im-Pott@gmx.de