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Rad im Pott Frühjahr 2000 Fahrradkultur

Mittel gegen traumatisches Kindheitserlebnis

Erster Bonanza-Rad-Verein gegründet

Gestandene Mitdreißiger bekommen schon glänzende Augen, wenn nur der Name genannt wird. "Ja, ich hatte auch eins", nicken sie glücklich in der Erinnerung an "ihr" Bonanza-Rad. 13 Männer, die dieses Glück nicht hatten, haben 1993 in Moers den Verein "Radsportfreunde Bonanza" gegründet.

"Der Verein ist für uns das therapeutische Mittel, dieses traumatische Kindheitserlebnis aufzuarbeiten", erklärt Stefan Victor, der Pressesprecher des Vereins, schmunzelnd. "Wir hatten als Kinder alle kein Bonanza-Rad." Der Anlass für die Gründung war allerdings ein anderer: Dem heutigen Vorsitzenden Michael Jotzo – er wird inzwischen Ben Cartwright genannt – wurde vor einem Schwimmbad das Fahrrad gestohlen. Auf seine Überlegungen, welches Fahrrad wohl niemand stehlen würde, fiel ihm damals nur das Bonanza-Rad ein.

Das wäre inzwischen sicher anders. Bonanza-Räder sind Kult. "Früher sind wir angepöbelt worden, heute werden wir bewundert", beschreibt Stefan Victor den Trendwechsel. Die amerikanischen Vorläufer-Modelle sind von der Firma nachgebaut worden, die sie auch damals auf den Markt gebracht hat. Eine der beiden Versionen ist bereits ausverkauft. Im Herbst will die Karlsruher Firma KHE auch einen Nachbau des Original-Bonanza-Rads mit Sissi-Bar, Bananensattel, hochgezogenem Lenker und Drei-Gang-Knüppelschaltung auf den Markt bringen.

Der Verein sieht dem mit gemischten Gefühlen entgegen. "Das wird die Auseinandersetzung zwischen Fundis und Realos", sagt der Pressesprecher. Als echte Fundis werden die Vereinsmitglieder selbstverständlich weiterhin nur Original-Bonanza-Räder aus den 70er Jahren fahren. Schließlich sind sie angetreten, das "Kulturgut der 70er Jahre der Öffentlichkeit näherzubringen".

Das tun sie nicht nur, indem sie selbst mit ihren Rädern herumfahren. Alle zwei Jahre lädt der Verein zu einer größeren Veranstaltung ein. 1997 war das die erste Weltmeisterschaft mit den Disziplinen Slalom, Bergabfahren, Langstreckenfahren – über 1500 Meter – und einer Kür. In diesem Jahr haben die "Radsportfreunde Bonanza Moers" zum ersten Mal die "Bundesjugend-Radfahrspiele" ausgerichtet.

Die Moerser Bonanza-Rad-Freunde waren 1993 zwar die ersten, die sich öffentlich zu den Träumen ihrer Kindheit bekannten, aber sie blieben nicht die einzigen. Einen weiteren Club gibt es in Fulda. Suchanzeigen in Zeitungen und im Internet nach Rädern oder Original-Ersatzteilen zeigen, dass sich die Bonanza-Räder zunehmender Beliebtheit erfreuen.

Und nicht nur bei 30- bis 40jährigen, die die Räder in ihrer Kindheit selbst gefahren sind oder den Nachbarskindern neidvoll dabei zugeschaut haben. Auch die heutigen Twens haben ihre Vorliebe für sie entdeckt.

Radsportfreunde Bonanza Moers 1993 e.V., Stefan Victor, Tel. 02841 / 21306, Internet: http://www.bonanzarad.de

Andrea Ziech, ADFC-Nachrichten für NRW


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Dieser Artikel erschien in der Rad im Pott Frühjahr 2000.
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