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Rad im Pott Frühjahr 2000 Mülheim

ADFC-Position setzt Schwerpunkte für eine effiziente Radverkehrsförderung

Wie fahrradfreundlich wird die Stadt?

Mobilität, Freiheit, Spaß, Leistungsfähigkeit und Sicherheit im städtischen Verkehr sind hervorragend mit kommunaler Sparpolitik zu vereinbaren, so der ADFC. Voraussetzung ist, dass die Verkehrspolitik ihre Schwerpunkte auf effiziente Maßnahmen wie z.B. die Erhöhung des Radverkehrsanteils setzt.

Als der Rat der Stadt im Jahr 1997 den Leitantrag "Fahrradfreundliche Stadt Mülheim an der Ruhr" beschlossen hat, wurden die Weichen gestellt, um das Fahrrad aus seinem bisherigen Schattendasein heraus zu einem wichtigen Alltags- und Freizeit-Verkehrsmittel zu entwickeln und so einen Beitrag zur mobilen Stadt zu leisten. Mülheim wurde im Februar 1999 durch den Verkehrs- und Wirtschaftsminister in der Arbeitsgemeinschaft der Fahrradfreundlichen Städte in NRW begrüßt. Auch wenn der Radverkehrsanteil in Mülheim noch nicht mit dem einer Stadt wie Beispielsweise Köln -- wo bereits für 16% aller Wege das Fahrrad genutzt wird -- zu vergleichen ist, so ist diese Entscheidung gerade in Zeiten knapper Kassen zukunftsweisend.

Neben den volkswirtschaftlichen Effekten einer erfolgreichen Radverkehrspolitik -- Erhöhung der Verkehrssicherheit, der Gesundheitsvorsorge, Entlastung der Straßen vom Kraftfahrzeugverkehr und Reduzierung von Umweltkosten -- hat Radverkehrsförderung in NRW auch den Vorteil, dass sie mit Landes- und Bundesmitteln gefördert wird. Dies wird an zwei Beispielen aus dem Leitantrag deutlich:

Auf der Saarner Straße zwischen Kirchstraße und Duisburger Straße fehlen nicht nur Radverkehrsanlagen, sondern auch Parkmöglichkeiten für die Anwohner. Es wird ungeordnet z.T. auf der rechten Fahrbahn geparkt, wodurch schon schlimme Auffahrunfälle stattfanden. Für einen leistungsfähigen Autoverkehr würden bekanntlich außerhalb der Kreuzungen zwei Fahrspuren ausreichen. Stattdessen existieren vier z.T. marode Spuren, kein Straßengrün und keine Überquerungshilfen für Fußgänger. Im Rahmen der Komplettierung der Radverkehrsanlagen auf der Saarner Straße lassen sich diese Mängel durch die Radverkehrsförderung des Landes finanzieren. Der ADFC fordert daher, dass der Planungsbeschluss in diesem Jahr umgesetzt wird.

Der Ausbau von Wegen in den Regionalen Grünzügen war im städtischen Haushalt über mehrere Jahre abgesichert. Eine wichtige Einzelmaßnahme, der IBA-Grünzug in Speldorf, ist nun endlich baureif und könnte zwischen MüGa und dem Mülheimer Wald eine attraktive Verbindung herstellen. Dummerweise soll gerade jetzt der kommunale Haushaltsansatz gestrichen werden. Dabei haben gerade die finanzschwachen Emscherstädte im nördlichen Ruhrgebiet in den vergangenen IBA-Jahren vorgemacht, wie mit dem Förderprogramm ÖPEL preiswert Strukurwandel durch den Wiederaufbau von Landschaft betrieben wird.

Neben den oben aufgeführten Einzelprojekten fordert der ADFC, für jeden Einwohner eine Mark für kleinere Maßnahmen, wie die Öffnung von Einbahnstraßen für Radler oder Verkehrsberuhigungsmaßnahmen im Haushalt einzuplanen. In einer fahrradfreundlichen Stadt dürfte der so zur Verfügung stehende Betrag in Höhe von 170.000 DM auch mit dem eingeschlagenen Sparkurs vertretbar sein.

Es wäre allerdings unverantortlich, nur Neues zu bauen, ohne das Erreichte zu erhalten. Im städtischen Straßenbauprogramm sind 3,1 Mio. DM für die Sanierung von Straßen vorgesehen. Sicherlich ist dieses Geld für Fahrbahndecken schnell verbraucht. Allerdings hat sich auch der Zustand wichtiger Mülheimer Radwege in den letzten Jahren zum Teil besorgniserregend verschlechtert. Der ADFC fordert, zumindest drei Radwegeabschnitte, nämlich Mellinghofer Straße auf der westlichen Straßenseite im Bereich Bessemer Straße, Friedrich-Ebert-Straße zwischen Oberhausener Straße und Moritzstraße und punktuell Duisburger Straße auf der südlichen Seite zwischen Königstraße und Haagerfeld in das Sanierungsprogramm mit aufzunehmen.

Zu den mittelfristigen Zielen des Leitantrages gehört die Fertigstellung einer durchgehenden innerstädtischen West-Ost-Verbindung. Der Dickswall und die Essener Straße stellen für die Bewohner der östlichen Stadtteile ohne qualifizierte Radverkehrsanlagen eine gefährliche Barriere auf dem Weg in die Innenstadt dar. Zwar erscheint aus finanzieller Sicht innerhalb der nächsten zwei Jahre eine Verbesserung nicht realistisch, doch müssen bereits jetzt die Weichen für eine frühstmögliche Umsetzung dieses vielleicht wichtigsten Lückenschlusses gestellt werden.

Ferner richtet der ADFC -- sicherlich im Interesse vieler Mülheimer -- die Aufmerksamkeit auf die unzureichenden Verkehrsverhältnisse entlang des Leinpfades auf der rechten Ruhrseite. Ein behutsamer Ausbau, wie zwischen Kettwig und Werden bereits geschehen und im Leitantrag zwischen Kettwig und Mendener Brücke vorgeschlagen, würde nicht nur zu einem besseren Verhältnis zwischen Fußgängern und Radfahrern beitragen, sondern das Ruhrtal für den beginnenden Städtetourismus im Ruhrgebiet erschließen. Dass ausgerechnet die "Stadt am Fluss" der einzige Flussanlieger mit einem für Radfahrer gesperrtem Uferweg ist, sollte nicht von Dauer sein. In diesem Zusammenhang bieten gut überlegte, vielleicht auch auf die Wochenenden begrenzte Verkehrsbeschränkungen entlang des Kahlenberges die Chance, gefahrlos bis in das Herz der City zu radeln.

OM


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Dieser Artikel erschien in der Rad im Pott Frühjahr 2000.
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