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| Rad im Pott Winter 1999 | Essen |
In der Tat scheint die Essener CDU ein ausgewiesener Befürworter einer ungehemmten Ausweitung des Autoverkehrs zu sein. Womit sie sich zunächst nur wenig von einer SPD, so wie diese sich in letzter Zeit entwickelt hat, unterscheidet. Die von der CDU uneingeschränkt befürworteten Autobahnprojekte wie die A52 durch den dichtbesiedelten Essener Norden sowie der A44-Anschluß mitten durch das Landschaftsschutzgebiet Asbachtal werden allenfalls noch an mangelnden Finanzierungsmöglichkeiten scheitern. Bislang sichtbarstes Zeichen für eine unbeirrbar auf das Auto fixierte Politik ist der Beschluß für die Aufhebung der dreistündigen Sperrung der Rüttenscheider Straße am Samstagvormittag. Daß die CDU sich vehement gegen eine oberirdisch geführte Straßenbahn durch die Essener Innenstadt sperrt, obgleich etliche Experten gerade hierin die vielfach gewünschte Attraktivitätssteigerung der City sehen, spricht ebenfalls für sich. Da paßt dann auch die Ablehnung der geplanten Busspur auf der Kaulbachstraße in Holsterhausen, auf daß dort fahrende Busse auch weiterhin im Stau stecken bleiben!
Was passiert aber nun mit dem Radverkehr? Auch hier scheint die Zukunft nicht gerade rosig auszusehen, vor allem wenn man sich die Antworten von Wolfgang Reiniger bei der Umfrage anläßlich der Kommunalwahl in der letzten RAD im Pott vor Augen hält. Zum einen hatte er dort dem Fahrrad grundsätzlich seine Funktion als alltägliches Verkehrsmittel abgesprochen, zum anderen die generelle Förderpraxis des Landes kritisiert, was natürlich auch auf das Programm "Fahrradfreundliche Stadt" zielte, an dem Essen seit 1995 beteiligt
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| Radtour mit Grünem Bürgermeister |
Beides sind Positionen, welchen EFI und ADFC nicht unbedingt ablehnend gegenüberstehen. Fakt ist, daß von diesem Netz inzwischen zwar etliche Teilstücke realisiert werden konnten, es aber nach fast fünf Jahren Mitgliedschaft im Förderprogramm nach wie vor keine einzige fertige Radroute gibt. Da wundert es nicht, wenn auf derartig rudimentären Abschnitten immer noch weniger Radler anzutreffen sind als erwartet. Was natürlich wieder das (auch von Wolfgang Reiniger geäußerte) Vorurteil nährt, die vorhandenen Radverkehrsanlagen würden so gut wie nicht genutzt. Ist natürlich nicht richtig, denn wo das Angebot stimmt, wird es auch heute bereits vermehrt genutzt!
Immerhin ist ein von Reiniger geäußerter Wunsch mittlerweile schon fast erfüllt, nämlich den Aufwand bei der Einrichtung von Radverkehrsanlagen zu reduzieren. Die zukünftige Planungen der Verwaltung sehen fast nur noch die kostengünstigeren (und dennoch wesentlich mehr Sicherheit bietenden) Radfahrstreifen auf der Fahrbahn anstelle der aufwendigen und gefährlichen Bordsteinradwege vor. Auch die Einrichtung von Fahrradstraßen sowie die gegenläufige Öffnung von Einbahnstraßen gehört dazu. Befürchtungen der CDU bestehen aber nach wie vor darin, daß Radverkehrsanlagen den Autoverkehr in seinem (ganz offensichtlich unersättlichen) Platzbedarf beschneiden würden. Nun, auch hier sei gesagt, daß beispielsweise für die Radfahrstreifen auf der Schützenbahn keine der immerhin sechs Fahrspuren geopfert werden muß-te und daß auf der Huyssenallee immer noch vierspuriges Fahren möglich ist. Was übrigens auch für das Projekt Wittenbergstraße gilt, dessen Baubeginn nun endlich im November erfolgt ist!
Kontakte zum neuen Rat der Stadt Essen hat es seitens der Fahrradverbände bislang noch wenig gegeben. Anfang November fand eine erste Erkundungsradtour im Raum Steele mit dem neuen Bürgermeister Hans-Peter Leymann-Kurtz von den Grünen statt. Angesichts der neuen politischen Konstellation gilt es hier natürlich weiter anzusetzen! Dazu sei erwähnt, daß eine CDU-geführte Stadt nicht unbedingt gegen Radverkehr eingestellt sein muß! Im Gegenteil - das Beispiel Münster, welches jahrzehntelang unter CDU-Regentschaft in Sachen Radverkehrsförderung eine bundesweite Führungsrolle einnahm, die 1991 sogar mit der Verleihung des "Goldenen Rades" gekrönt wurde, zeigt es. Oder aber Krefeld, ebenfalls seit vielen Jahren CDU-regiert, welches derzeit die Leitungsfunktion in der Arbeitsgemeinschaft "Fahrrad-freundliche Städte" ausübt.
J.B.
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