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Kork - ein starker Stoff


1. Einleitung:

Kork wird durch Abrinden der Korkeichen (Quercus suber) gewonnen, welche in Spanien, Portugal und im nördlichen Afrika wachsen. Dieser nachwachsender Rohstoff steht leider nur in begrenzten Mengen zur Verfügung.
Durch die Kombination von Eigenschaften wie Festigkeit, Elastizität, Schwimmfähigkeit, Gasdurchlässigkeit und Dämmfähigkeit, kann Kork in vielen Bereichen eingesetzt werden, z.B. als Flaschenkorken, Fußbodenbelag oder Dämmstoff.

Das Sammeln von Flaschenkorken und deren Verarbeitung zu Granulat, welches als Dämmstoff Verwendung findet, ist ein Weg, um schonender mit diesem Rohstoff umzugehen, das Müllvolumen zu reduzieren und den Einsatz von gesundheitsschädlichen Dämmstoffen zu verringern.

2. Biologische Daten:

Die immergrüne Korkeiche ist frostempfindlich und bevorzugt eher etwas feuchtere Standorte. Der Baum erreicht eine Höhe von 10-12 m und einen Stammdurchmesser von 30-100 cm. Das tiefgründige, ausgedehnte Wurzelwerk und die ausladende Krone haben eine ausschlaggebende Bedeutung für den Schutz des Bodens vor Erosion.
Kork besteht aus abgestorbenen Zellen, die sehr eng miteinander verbunden sind, ca. 40 Mio. Zellen pro cm³. Die durchschnittliche Größe der Zellen schwankt zwischen 30-40 µm. Die Zellwände haben eine Stärke von 10-80 µm.

3. Eigenschaften des Korks:

Aufgrund seiner Festigkeit, Elastizität, Beständigkeit gegenüber Feuchtigkeit, seiner Gas- und Dampfdurchlässigkeit findet Kork als Flaschenverschluß Verwendung.
Korkschrot und Dämmplatten erreichen eine Wärmeleitfähigkeit von 0,042-0,060 W/mK, wobei eine geringere Wärmeleitfähigkeit eine bessere wärmedämmende Wirkung bedeutet.
Kork wirkt stärker regulierend auf die Luftfeuchte als Mineralfasern oder Styropor, da er mehr Feuchtigkeit speichern kann. Feuchte Dämmstoffe büßen einen Teil ihrer wärmedämmenden Fähigkeit ein. Kork wird als normal entflammbar eingestuft. Im Vergleich zu Hartschaumplatten, die in der Flamme sofort schmelzen, fängt Kork nur zögerlich an zu glimmen und erlischt sofort außerhalb der Flamme. Diese Fähigkeit läßt die Bäume bei einem Waldbrand nicht völlig abbrennen. Im folgenden Frühjahr treiben die Bäume wieder aus.

4. Korkernte:

Sind die Bäume 25-30 Jahre alt, werden sie zum ersten Mal abgerindet. Es wird immer nur ein Drittel der Korkrinde abgenommen, sonst würde der Baum vertrocknen. Geerntet wird im Juli und August, wenn sich der Baum in seiner aktivsten Wachstumsphase befindet. Regional unterschiedlich kommt es alle 9-14 Jahre zur Ernte. Je langsamer der Kork wächst, um so gleichmäßiger wird seine Struktur. Dieser Kork wird von exklusiven Winzern als hochwertiger Flaschenkork bevorzugt.

5. Flaschenkorken:

Die Rindenstücke werden vertikal in Streifen geschnitten, deren Breite der Flaschenkorkenlänge entspricht. Aus diesen Streifen werden die Flaschenkorken herausgestanzt und nach Güteklassen sortiert. Es erfolgt eine Waschung, Entstaubung und häufig eine Imprägnierung mit Polyethylen-Hart-Wachsen, um die Korken besser in die Flaschen pressen zu können.
In Deutschland fallen jährlich rund 1,2 Mrd. Flaschenkorken an (ca. 32.000 m³).

6. Entwicklung der Korknutzung:

Schon im römischen Reich wurden Sandalen, Bojen, Fischernetzschwimmkörper und Bienenkörbe aus Kork angefertigt. Als Flaschenverschluß wurde Kork nachweislich erstmals im 17. Jahrhundert von einem französischen Mönch verwendet. Heute werden in Spanien und Portugal auf mehr als 1 Mio. Hektar Korkeichen abgerindet. Beide Länder liefern pro Jahr zusammen 300.000 Tonnen Kork, was 75% der Weltproduktion ausmacht.

7. Kork in der Krise:

Der Grund für die Misere ist das begrenzte Rohstoffangebot und die stagnierende Nachfrage, besonders seit den 60er Jahren. Diese wurde ausgelöst durch ein steigendes Angebot an billigeren synthetischen Dämmstoffen, Fußbodenbelägen und durch ein schlechtes Marketing der Korkproduzenten. Diese Veränderungen führten zur Stagnation des Korkgeschäftes und somit zum Preisverfall. Dem versuchte man mit einer Erhöhung der Korkernte entgegenzuwirken, was eine Übernutzung der Korkeichen und somit eine Schädigung der Bäume zur Folge hatte.
Neuanpflanzungen von Bäumen sind aufgrund der klimatischen Bedingungen in den südlichen Ländern sehr kostenintensiv. Junge Korkeichen wurden lange Zeit nicht nachgepflanzt und viele große Korkeichenbestände fielen Bauprojekte zum Opfer, was zu einer weiteren Verknappung des Rohstoffes führte.

8. Bedrohung der Extremadura:

Großflächig wurden seit den 60er Jahren Korkeichenwälder in künstlich bewässerte Intensiväcker umgewandelt, um beispielsweise Spargel- und Maismonokulturen anzulegen. Den natürlichen Wald ersetzte man oft durch schnellwachsende Eukalyptusforste. Mit den standortfremden Gehölzen kommt es zu massiven ökologischen Problemen. Dem Boden wird eine zu große Menge Wasser entzogen. Die Wuchsform der Bäume haben kaum eine Schattenwirkung und bieten keinen Schutz vor Erosion durch Regenfälle.

9. Sammelsystem und Nutzen:

Der KorkenBUND sammelt seit dem 1. Dezember 1995 Wein- und Sektkorken. Sie wurden bis zum Januar 2004 von der Spedition LOXX kostenlos als Beifracht nach Hamburg zum "Eilbek-Service", einem Zweigbetrieb der Winterhuder Werkstätten für Behinderte, transportiert, wo sie sortiert, geschreddert und als Dämmstoff an den ökologischen Fachhandel verkauft worden sind. Aus dem Erlös gingen 25 Pfennig pro Kilogramm Granulat an die Stiftung EURONATUR.

Seit Februar 2001 wird ein Teil der gesammelten Korken von der Aachener Projektwerkstatt Heinrich Böll e.V. abgeholt, die ab Januar 2004 die Gesamtmenge an Korken übernimmt. Dort werden sie zu Granulat geschreddert und als Schüttgut zur Wärme- und Schalldämmung von Wänden, Dachschrägen und Decken eingesetzt. Die Beschäftigungsinitiative Projektwerkstatt Heinrich Böll hat das Ziel, schwerstvermittelbare langzeitarbeitslose Jugendliche und Erwachsene an ökologisch sinnvolle Arbeit heranzuführen und sie zu qualifizieren. Auch sie unterstützt das Projekt "Kranich-Schutz" und überweist 0,11 EUR pro Kilogramm Korken an die Stiftung Europäisches Naturerbe (EURONATUR). EURONATUR kämpft erfolgreich für den Erhalt der uralten Kulturlandschaft in der südwestspanischen Extremadura. Sie ist die Heimat der Korkeichenwälder mit ihren vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten und das wichtigste Überwinterungsgebiet der europäischen Kraniche.

© FM/0598



KorkenBUND: Annette und Frank Mildenberger; Kühnholdstr. 3; 45355 Essen; Fon: 0201/611736, Fax: 0201/231707; KORKampagne: Peter Seelmann; Rehmstr. 13; 22299 Hamburg; Fon + Fax: 040/5117445

 

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